Samstag, 9. Dezember 2017

Hochspannung....

Fünf Sterne vergab fredhel in der Leserunde heute und verlieh das Prädikat "grandioser Lesespass" dem Zerberus Schlüssel. Hier Ihre Rezension:

"Zum vierten Mal schickt uns der Autor Gerd Schilddorfer auf eine rasante Schatzsuche quer durch die Weltgeschichte. Johns Freund Llewellyn Thomas möchte sich eigentlich eine Auszeit im tiefsten Schottland gönnen, als ihm ein mysteriöses Päckchen in die Finger gerät. Die Recherche führt zu einer Agentenliste, die Agentenliste passt zu diversen Morden......nein, mehr sollte man wirklich nicht spoilern, An verschiedenen Orten in Europa sind unsere Freunde, die wir schon aus den Vorgängerbänden kennen, fieberhaft auf der Suche nach den Mosaiksteinchen, die letztendlich zu einem lange verschollenen Schatz führen sollen. Allerdings gibt es gezieltes Störfeuer von Seiten gut ausgerüsteter Triaden.....

Einmal mehr stellt Gerd Schilddorfer unter Beweis, wie gut er sich in der Weltgeschichte auskennt und wie kunstvoll er Wahrheit und Fiktion zu einem mitreissenden Abenteuer verweben kann. Er charakterisiert seine Helden mit feinem Humor und läßt sie an authentischen Schauplätzen agieren. Zudem gibt es atemberaubende Action zu Wasser, zu Land und in den Lüften (klar, John Finch kann wieder in einem Luftkampf seine Fähigkeiten zeigen und die Kommentare seines Papageis sind herrlich)

Man kann den Zerberus-Schlüssel völlig ohne Kenntnis der früheren Bücher lesen, trotzdem verfällt man sofort der Schilddorferschen Erzählkunst, die einen mit hohem Spannungsfaktor in das Abenteuer hineinzieht und dabei auch ein Auge auf feine Details hat.

"Der Zerberus-Schlüssel" konnte mich wieder völlig begeistern und lässt mich dem nächsten Band ungeduldig entgegenfiebern."

Sonntag, 3. Dezember 2017

Spannendes Puzzle

Isag ist eine der Mitleserinnen in der Leserunde von LovelyBooks, die dieses Jahr in ihrem Urlaub auf den Spuren des Nostradamus Coups unterwegs war. Ihr hatten es die Schilderungen von Tanzenberg in Kärnten und vom Stift Admont so angetan, dass sie sich Rebus nachgereist war.
Heuer war sie wieder dabei, vorerst literarisch in der Leserunde (und plant schon die Reise auf den Spuren des Zerberus Schlüssels...:=)
Hier nun ihre Rezension, in der sie dem Zerberus Schlüssel fünf Sterne verliehen hat:

"Kurz zusammengefasst könnte ich schreiben, dass wer bereits weiß, was einen bei Gerd Schilddorfers Büchern erwartet, genau das auch diesmal wieder bekommt :)

Es ist auch diesmal einfach wieder faszinierend, wie sich über verschiedene Zeit- und Ortsebenen immer wieder einzelne Puzzlestücke der Handlung zusammenfinden, und auch die Aufträge bzw. Ermittlungen von Finch, Llewellyn, Calis, Rebus und allen anderen auf einen gemeinsamen Nenner hinauslaufen. Mit perfektem Teamwork werden diesmal gleich 2 Rätsel gelöst, auch wenn eins von beiden doch wiederum offen bleibt. Aber bei so manchem mächtigen Geheimnis ist das sicher auch besser so, trotzdem wüsste ich ja immer noch gerne, wie man etwas so großes über so lange Zeit verschwinden lassen kann.

Toll fand ich diesmal auch, dass Finchs Vergangenheit mit eingeflochten wurde und auch ein zufälliges Puzzleteil beigesteuert hat - auf das ich schon eine ganze Weile ungeduldig beim Lesen gewartet hatte ;)

Nicht nur die Charaktere sind wieder lebendig beschrieben, auch die Orte machen neugierig auf einen Besuch. Schon beim Nostradamus-Coup hat mich u.a. die Beschreibung von Admont neugierig gemacht (ich hatte vorher noch nie davon gehört) und ich hätte wirklich was verpasst, wenn ich dort nicht einen Besuch beim letzten Urlaub mit eingebaut hätte ;) Da die Leseprobe vor meinem Urlaub schon auf ein Haus in Salzburg hingewiesen hat, habe ich mir das auch angeschaut und habe über die Beschreibung hinaus dann beim Lesen des Buchs noch mal alles mitsamt dem Drumherum und der Urlaubsstimmung lebendig in Erinnerung gehabt. Eine absolute Empfehlung, sich die Orte nicht nur bei Google Maps mal anzuschauen, sondern bei vorhandener Möglichkeit auch mal live dort vorbei zu schauen. Lecker kann so ein Ausflug übrigens auch sein, wie ich beim Kollerwirt festgestellt hatte - und die Due Ladroni stehen seit dem Zerberus-Schlüssel direkt noch ein Stück weiter auf meiner Urlaubswunschliste :)

Einzelheiten zur Handlung möchte ich nicht verraten, da diese wie ich finde Stück für Stück erlesen werden möchten - und genau das möchte ich jedem empfehlen, der sich gerne darauf einlässt, sich durch verschiedene Handlungsstränge einfach mitreißen zu lassen - um am Ende überrascht festzustellen, dass alles schlüssig zusammen gefunden hat und das Buch leider schon wieder zu Ende ist ;)

Da hilft nur warten auf die nächste Leserunde und großer Dank für die Schmökerstunden mit dem Treffen am virtuellen Kamin!"

Dienstag, 21. November 2017

Schatten der Vergangenheit

Raveneye ist was die John-Finch-Serie betrifft eine Quereinsteigerin. Sie kannte das Universum um den alten Haudegen nicht und fühlte sich trotzdem gleich zu Hause in der Geschichte. Heute hat sie ihre Rezension bei LB publiziert, fünf Sterne vergeben und ihre Wunschliste für Weihnachten erweitert....um "Falsch", "Heiss" und den "Nostradamus Coup"...:=)

"In einem leerstehenden Haus, mitten in Berlin, wird eine mumifizierte Leiche gefunden. Alles deutet darauf hin, das sie schon etwas länger in dem Haus verweilt. Und doch löst der Leichenfund einiges an Aktivitäten aus...

Hierbei handelt es sich um den vierten Roman um John Finch, er ist aber auch für Reihen-Quereinsteiger geeignet – zu denen ich auch gehöre.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen erzählt. Es gibt nicht nur einen Blick auf die Ereignise, sondern mehrere – und auch nicht nur ein Ereignis.

Da gibt es John Finch, den Titelhelden, der immer noch weiß, wie man fliegt. Thomas Calis, der als Kommissar in Berlin arbeitet. Oder Kapitän Tyssen, der sein Schiff auf seltsamen Wegen durch die Gewässer führt. Und noch einige Personen mehr.

Die einzelnen Charaktere sind alle sehr gut gezeichnet und haben alle ihre eigene Art und Weise mit einer Situation umzugehen. Man erfährt auch genug über die Stammbesatzung der Reihe, um nicht mit lauter Fragezeichen ins Buch zu schauen – was den Einstieg zusätzlich erleichtert.

Der Schreibstil ist ansprechend und flüssig zu lesen. Die Hindergründe der Geschichte stehen auf fundierten Füßen und sowohl die historischen, wissenschaftlichen und fiktionalen Fakten des Buches sind auf eine sehr unterhaltsame und spannende Weise miteinander verworben, so dass diese 800-Seiten-Geschichte ein richtiger Pageturner wird.

Für alle Liebhaber guter Thriller. Hat mir sehr gut gefallen."

Montag, 20. November 2017

Einfach nur genial

Vampir989 ist nicht blutrünstig....:=) Nun schon zum zweiten Mal mit John im Cockpit unterwegs, genießt sie noch jeden Augenblick der Abenteuer und hat heute ihre Rezension in der Leserunde publiziert. Und ich, ich freu mich drüber und stelle sie hier auf den blog...

"Klappentext: Eine erhängte Mumie in einem verlassenen Haus, geheimnisvolle chinesische Schriftzeichen, drei erdrosselte Männer, die Triaden in Berlin - Kommissar Thomas Calis steht vor einem Rätsel. Dann taucht eine geheimnisvolle Todesliste auf, und mit einem Mal befindet sich Calis' alter Freund John Finch auf einer Jagd nach Geheimnissen aus der Kolonialgeschichte. Denn plötzlich führen die Verbrechen der Gegenwart in die dunkelsten Ecken der Vergangenheit und zu einem Grab, das keiner öffnen möchte ...

Wieder einmal hat es Gerd Schilddorfer geschafft mich mit diesem Buch in den Bann zu ziehen.Ich wurde in eine faszinierende und atemberaubende Welt entführt. Für einige Zeit habe ich in meinen Träumen geschwebt, fernab von meinem Alltag. Der Schreibstil ist wieder einfach angenehm leicht und flüssig.Ich bin mit dem Lesen sehr gut voran gekommen.Die Seiten flogen nur so dahin und ich wollte das Buch gar nicht mehr aus den Händen legen.

Die mir schon bekannten Protoganisten wurden wieder hervorragend beschrieben und die Charaktere sehr gut ausgearbeitet.Gleich habe ich John Finch und seine Freunde wieder in mein Herz geschlossen. Ich habe mit Ihnen spannende und spektakuläre Abenteuer erlebt. Die Erzählweise des Autors ist so fesselnd und packend, dass ich förmlich in die Geschichte hinein gezogen wurde. Fasziniert haben mich auch die beeindruckenden bildhaften und ansprechenden Beschreibungen der einzigartigen Schauplätze.So hatte ich das Gefühl, selbst an diesen Orten zu sein und alles mit zu erleben.

Wieder einmal werden viele Geheimnisse und Rätsel gelüftet und dabei geht es hochdramatisch zu. Gerd Schilddorfer baut dabei historisch wahre Fakten und Tatsachen in die Handlung ein. Dies ist ihm perfekt gelungen. Auch durch seine sehr guten Recherchen erhalten wir viele interessante Informationen zu gewissen historischen Ereignissen. Immer wieder gibt es überraschende Wendungen und Ereignisse. Die Spannung bleibt durchweg erhalten und es wird nie langweilig. Aber auch der Humor kommt auf keinem Fall zu kurz. Bei einigen Situationen habe ich mich köstlich amüsiert und geschmunzelt.Gerade die Mischung aus Abenteuer ,Dramatik,Spannung und Humor machen dieses Buch so lesenswert.

Das Cover finde ich auch sehr gut gewählt und einfach nur genial.Es passt perfekt zu dieser Geschichte und rundet das brilliante Werk ab. Ich hatte viele spannende und unterhaltsame Lesemomente mit dieser Lektüre und freue mich schon jetzt auf eine weitere Folge mit John Finch.

Ich vergebe glatte 5 Sterne."

Freitag, 17. November 2017

… und alles begann schon vor langer Zeit

Unter diesen Titel stellte buecherwurm1310 ihre Rezension....nachdem sie festgestellt hatte: "Wenn man beim Lesen das Essen und Trinken vergisst und sich wundert, dass es spät abends ist, obwohl man das Gefühl hat, dass doch gerade erst angefangen hat, spricht das für das Buch..." Und ich freu mich darüber, weil Schreiben ein einsamer Job ist und ich jedes Feedback geniesse. Hier nun ihre Rezension, die dem Zerberus Schlüssel fünf Sterne verleiht:

"Obwohl es bereits drei Vorgängerbände gegeben hat, habe ich zuvor nur den „Nostradamus Coup“ gelesen, der mich schon begeistert hat. Auch "Der Zerberus Schlüssel" ist wieder ein gewichtiges Buch mit vielen unterhaltsamen Seiten.

In Berlin findet eine Studentin eine erhängte Mumie in einem seit langem verlassenen Haus. Als dann auch noch „frische“ Leichen auftauchen, die scheinbar keine Vergangenheit, dafür aber eine Menge Geld und Waffen haben, wird Kommissar Thomas der Urlaub mit  seiner Freundin, der Frankfurter Kommissarin Martina Trapp, gestrichen.

Sein Freund John Finch, ist bei der Internationalen Luftfahrtausstellung in Berlin wieder einmal in seinem Element, als ihm ein paar Chinesen ein merkwürdiges Angebot machen.

Finchs Freund Llewellyn Thomas erhält an seinem Rückzugsort in Schottland ein Paket, das vor langer Zeit aufgegeben wurde und ein blutiges Messer enthält, und Alexander Reiter ist auf der Suche nach einem verschollenen alten Buch.

Zwischendurch werden wir noch in die Vergangenheit mitgenommen, als während des Zweiten Weltkrieges der deutsche Kreuzer „Komet“ in geheimen Auftrag unterwegs ist.

Es gibt also einige Handlungsstränge zu verfolgen in diesem komplexen Thriller. Die Freunde, die mir schon im vorigen Buch ans Herz gewachsen sind, haben also wieder alle Hände voll zu tun, um die verwickelten Situation zu entwirren. Es stellt sich mit der Zeit heraus, dass alles mit allem zu tun hat und dass da eine graue Eminenz seine Strippen zieht. Wer konnte schon ahnen, dass alles sogar noch weiter in die Vergangenheit führt. Es geht um sehr viel, was die Geheimdienste einiger Länder auf den Plan ruft.

Neben den bekannten und beliebten Protagonisten gibt es auch noch Nebencharaktere, die mir gut gefallen haben, wie ein Berliner Original und ein schottische Lady. Es hat mich auch gefreut, dass die französischen Twins mit ihren coolen T-Shirts wieder dabei waren. Die Jungs bringen frischen Wind in die geweihräucherte Kirche.

Es war wieder sehr, sehr spannend. Ich habe beim Lesen alles um mich herum vergessen und mich ganz der action- und temporeichen Geschichte hingegeben. Obwohl es so spannend ist, gibt es aber auch sehr humorvolle Gespräche.
Meine Leseempfehlung für diesen hochspannenden und temporeichen Thriller."

Dienstag, 14. November 2017

Spannung, Action, John Finch!

tweedledee kam beim "Nostradamus-Coup" in die Leserunde und stieg gleich voll mit ein. Dann kam der Zerberus-Schlüssel und sie stand in den Startlöchern und legte los, als das Buch eintrudelte. Hier nun ihre Rezension - und ich hab mich über die fünf Sterne sehr gefreut!!



"Der Zerberus Schlüssel" ist der vierte Teil der Reihe um den sympathischen Piloten John Finch, ein weiteres spannendes Abenteuer aus der Feder von Gerd Schilddorfer.

Der Anfang des Thrillers führt uns nach Berlin, wo eine Studentin über eine Leiche stolpert. In einem seit Jahren aufgegebenen Haus hängt sie im Obergeschoss seit  Jahrzehnten, inzwischen ist der Leichnam mumifiziert. Währenddessen beschäftigt Kommissar Thomas Calis sich mit rätselhaften Morden. Drei Männer wurden erdrosselt, alles unauffällige Zeitgenossen. Er versucht herauszufinden, was die drei Männer verbindet. John Finch wiederum befindet sich in Berlin bei der Internationalen Luftfahrtausstellung, wo er den neuesten Eurocopter X3 fliegen soll. Sein Freund Llewellyn Thomas erhält ein Paket, das schon vor zwanzig Jahren aufgegeben wurde, in ihm eine mit Blut bedeckte Stichwaffe. Last but not least ist Alexander Reiter auf der Suche nach einem lange verschollenen Buch...


Auf über 800 Seiten begleiten wir John Finch und seine Freunde auf einem spannenden Abenteuer. Es gibt viele unterschiedliche Stränge, auch Handlungsebenen die in der Vergangenheit liegen, nach und nach laufen sie zusammen und werden zu einer dichten Story verwoben. Geheimdienste verschiedener Länder sind in die Geschichte verwickelt, eine Geschichte, deren Anfänge weit in die Vergangenheit zurück gehen, bis in die Zeit des zweiten Weltkrieges, sogar bis in die Zeit der Kolonien. Gerd Schilddorfer hat perfekt recherchiert und verknüpft die einzelnen Stränge geschickt zu einer fesselnden und dichten Story.


Für mich war es wie ein Treffen mit alten, lieb gewonnenen Bekannten, da ich den Vorgänger schon verschlungen hatte. Aber auch einige interessante neue Personen bekommen ihren Auftritt, so z. B. eine schlagfertige schottische Lady. Die Protagonisten sind detailliert gezeichnet und fast durchweg sympathische Charaktere, sie wirken lebendig und authentisch.


Das Buch ist anspruchsvoll und lässt sich aufgrund der vielen Protagonisten und Handlungsstränge nicht mal so nebenher lesen. Es erfordert Aufmerksamkeit und ein gewissens Maß an Konzentration, belohnt dann aber mit einer spannenden sowie actionreichen Handlung. Ich bin begeistert und habe jede Seite genossen, für mich ist der Zerberus-Schlüssel ein Thrillerhighlight 2017."

Sonntag, 12. November 2017

Schatten der Vergangenheit

Ich weiß, Mabuerele hält es schon länger mit John und dem Dream Team aus. Sie hat ihn in Südamerika begleitet und in Afrika, nach Italien und nach England, nach Pakistan und in den Hindukusch, nach Afghanistan und wieder zurück. Einmal um die Welt und wenn ich ihr dann noch mit einem weiteren Buch ein spannendes Leseabenteuer bescheren kann, dann bin ich schon ein bißchen stolz...
Heute hat sie ihre Rezension geschrieben und ich bin noch ein ein bißchen stolzer....:=)

"„...Gehen Sie ganz rauf, da spielt die Musik. Bergner dirigiert, Dr. Sternberg spielt die erste Geige, und das Fußvolk versucht, das Tempo zu halten...“


Wir schreiben das Jahr 1989. Harald Gärtner erlebt in Westberlin den Fall der Berliner Mauer. Dann erhält er einen Anruf. Er soll bleiben, wo er ist. Es fällt ein Satz, den damals sicher viele gedacht haben:
„...Auf diesen Fall hatte ihn niemand vorbereitet...“

Dann wechseln wir ins Jahr 2010. Alexander Reiter steigt in ein Haus in Salzburg ein. Er findet hunderte wertvolle Gemälde. Eins nimmt er mit, um es der Besitzerin zurück zu geben.

Es geht noch weiter zurück in die Vergangenheit. Der deutsche Kreuzer „Komet“ war auf den Weg durch die Nordost-Passage. An Bord ist SS-Hauptsturmführer Werner Reichelt. Er führt die schriftliche Order für das Ziel der Fahrt mit sich, macht sich aber bei der Crew sehr unbeliebt.

Ich könnte noch weitere Episoden vom Beginn des Buches anführen. In kurzen Abschnitten führt mich der Autor rund um die Welt. Alles wird am Ende für das Geschehen in der Gegenwart seine Berechtigung haben.

Die Gegenwart führt mich nach Berlin. Bei einer Routinekontrolle findet eine junge Frau eine mumifizierte Leiche in einem leeren Berliner Mietshaus. Der Zeitungsartikel darüber scheucht plötzlich verschiedene Leute auf, die sich bisher ruhig verhielten. Außerdem sorgt eine Liste, die aus geschredderten Stasiakten rekonstruiert wurde, für hektische Aktivitäten von Compton, dem alten Mann des englischen Geheimdienstes.

Auch der vierte Thriller der Serie ist an Spannung nicht zu überbieten. Ich kenne zwar alle Teile, aber man kann ihn durchaus auch verstehen, ohne die Vorgängerbände gelesen zu haben. Alle wichtigen Informationen sind in der Handlung integriert. Selbst kurze Rückblicke auf den einen oder anderen Lebenslauf finden sich im Text.

Der Schriftstil des Buches ist abwechslungsreich. Fesselnde und temporeiche Szenen werden dadurch unterstützt. Ein schneller Wechsel von Handlungsort und Protagonisten erhöht den Spannungsbogen, zumal häufig an einer entscheidenden Stelle abgebrochen wird.

Vielfältige humorvolle Teile, häufig eingebettet in präzise ausgearbeitete Gespräche, sorgen für kurze Ruhepunkte. Mit obiges Zitat wird Kommissar Calis zum Tatort und zur Spurensicherung geschickt. Die Krönung war für mich das Telefongespräch von John mit zwei jungen Franzosen. Zum Zitieren wäre es – leider – zu lang.

Das Buch verfügt aber nicht nur über komplex aufgebaute Handlungsstränge. Der Autor legt Wert darauf, dass seine Handlungsorte in Wirklichkeit existieren und beschreibt sie deshalb hinreichend. Außerdem werde ich als Leser mit einer Menge historischem Wissen konfrontiert, dass für den Handlungsablauf von Bedeutung ist. In diesem Buch sind es insbesondere die dunklen Kapitel der britischen Kolonialgeschichte in Asien.

Ab und an gibt es fast poetische Sätze, wie das folgende Beispiel zeigt. Gleichzeitig sieht man darin, wie gut der Autor das Spiel mit Worten beherrscht.
„...Meine Mitarbeiter … meinten, Sie seien mehr oder weniger ein Phantom auf der Flucht, ein Schatten zwischen den Welten, ein Nebel, der sich in den ersten Strahlen der Morgensonne auflöst, Sand, der haltlos zwischen den Fingern durchrieselt...“
Wer damit gemeint ist? Das wird hier nicht verraten.

Während nach dem anfänglichen Blicken in die Vergangenheit die Handlung dann schnell in der Gegenwart bleibt, gibt es bewusst eine Ausnahme. Die Reise der „Komet“ darf ich längere Zeit zwischendurch begleiten. Immer wieder gibt es kurze Episoden über die Fahrt.

Die Geheimdienste kommen im Buch gar nicht gut weg – und das mit Recht, denn Menschen sind für sie nur Spielfiguren in deren Schachspiel des Lebens.

Ein kurzes Nachwort gibt Informationen zur Entstehung des Buches.

Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Der Autor versteht es, reale Geschehen, historische Fakten und eigene Ideen zu einer komplexen Handlung zu verknüpfen. Mit einem chinesischen Sprichwort aus dem Buch möchte ich meine Rezension beenden:
„...Wenn der Brunnen trocken ist, erkennt man den Wert des Wassers...“

Überzeugend, Überragend

Leserin71 ist Widerholungstäterin und sie scheut sich nicht, es zuzugeben...:=) Selbst ihr Mann reisst sich von seinen vielgeliebten Comics los, wenn John Finch wieder ins Flugzeug steigt - und DAS will schon was heissen.

Hier nun ihre Rezension:

"He did it again!

Gerd Schilddorfer hat schon drei Vorgänger-Bücher zu "Der Zerberus-Schlüssel" geschrieben. Jeder dieser Bände steht für sich und kann ohne Kenntnisse der vorhergehenden gelesen werden. Dennoch empfiehlt es sich, die Bände in der Reihenfolge zu lesen.

Auf 814 Seiten entführt uns Gerd Schilddorfer in andere Welten (China, England, Afrika, Pazifik) und in andere Zeiten (200 v. Chr., 19. Jahrhundert, 2. Weltkrieg, Wendezeit), alles mit einem engen Bezug zur Gegenwart. Die Haupthandlung spielt diesmal in Berlin. Kommissar Calis ermittelt im Fall von vier ermordeten Männern in Berlin als eine erhängte Mumie auftaucht.

Parallel dazu wird Llewellyn Thomas ein Paket zugestellt, das eigentlich an jemand anderen adressiert ist. Was er darin findet, alarmiert ihn sehr und lässt ihn Kontakt aufnehmen mit weiteren Mitstreitern - und schon ist John Finch wieder dabei und mit ihm tolle Fluggeräte und natürlich sein Papagei und Amber Rains.

Wie dann aber der Meisterdieb Alexander Reiter alias Rebus und der vatikanische Geheimdienst Pro Deo in die Sache verwickelt sind, sollte jeder selbst lesen.

Meine Meinung:
Ich bin bekennender Schilddorfer Fan. Auch dieser John-Finch-Thriller hat mich wieder überzeugt und nicht nur mich, auch meinen Mann, der eigentlich sehr wenig liest, aber sich einen neuen Schilddorfer nicht entgehen lässt.

Schön, dass diesmal wieder Thomas Calis und Martina Trapp von der Partie sind, dass Rebus eine wichtige Rolle bekommt, dass Finch so tolle Flugeinlagen liefern darf, dass ein paar nette Nebenfiguren dazu kommen, dass die T-Shirts von den Computerspezialisten wieder für Lacher sorgen und dass am Ende alle zusammen kommen für ein überzeugendes Finale, das nur geschmälert wird vom Verrat des Einen, der eigentlich immer die Strippen zieht.

Ausgezeichnet gefallen hat mir die Aufbereitung der Geschichte im fernen Asien. Was die Komet dort gemacht hat und wie der erste Kaiser von China seine Unsterblichkeit vorbereitet hat, wusste ich bisher nicht, genauso wenig , welche Plünderungen dort vorgenommen wurden.

Die spannende Schatzsuche findet ein Ende, bei dem die vielen, vielen Handlungsstränge schön zusammen geflochten werden und ein Gesamtbild ergeben.


Sehr gerne vergebe ich 5 von 5 Sterne für dieses Lesehighlight."

verschiedenen Geheimnissen auf der Spur

Wie meine Leser wissen, ist in meinen Büchern nichts so, wie es scheint. Da gibt es nicht nur ein level, sondern mehrere und wie immer greift alles ineinander. Wie es nun einmal im Leben ist. Es gibt nicht nur eine Dimension...

irismaria ist schon seit Beginn der John-Finch Reihe dabei, schaut immer wieder in den Leserungen vorbei, (die bei uns ja ein Jahr dauern....:=) selbst wenn es kein aktuelles neues Abenteuer gibt. Aber WENN das neue Buch da ist, dann steht sie in den Startlöchern und kann es kaum erwarten. So war es auch beim "Zerberus Schlüssel" und hier ist ihre Rezension, die sie heute morgen veröffentlicht hat:

""Der Zerberus Schlüssel" ist der neueste Thriller aus der Reihe rund um John Finch von Gerd Schilddorfer. Diese Thrillerreihe begleitet mich seit mehreren Jahren und die spannenden und intelligent geschriebenen Geschichten sind immer wieder Highlights im Lesejahr. Von Band zu Band hat sich das Team und um den Abenteurer und Flieger John Finch immer weiter erweitert und auch in diesem Band ist ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten gegeben.

Die Abenteurer haben es mit mehreren Fällen zu tun, so geht es um eine erhängte Leiche, die nach 25 Jahren in einem Haus in Berlin aufgefunden wird, um ein im Zweiten Weltkrieg im Pazifik von Deutschen aufgebrachtes und dann verschwundenes Schiff, um einen blutigen Dolch in einem Päckchen, der erst nach Jahrzehnten den Absender erreicht und eine jahrhundertealte Reisebeschreibung mit brisantem Inhalt, die in einem Wiener Museum verschollen ist.

Neben den schon fast üblichen Geheimdienstverwicklungen haben die Abenteurer als Gegner diesmal auch die chinesischen Triaden und andere, die noch Rechnungen aus der Vergangenheit offen haben.

"Der Zerberus Schlüssel" ist von Beginn an super spannend, durch die wechselnden Handlungsstränge sehr abwechslungsreich und es ist eine gelungene Mischung zwischen Action und der oft humorvollen Interaktion der Charaktere.

Mein Fazit: für Fans der Reihe ist das Buch ohnehin ein Muss, aber auch als Einzelband allen sehr zu empfehlen, die einen spannenden Thriller mit historischen und kunstgeschichtlichen Elementen lieben."

Geschichte ist der Teppich auf dem wir uns bewegen

kari0005 hat an der Leserunde trotz aller Arbeitsbelastung teilgenommen und ist vor allem bei den letzten Kapiteln in die Direttissima eingebogen - sie konnte nicht mehr aufhören zu lesen...:=) Gestern Nacht hat sie ihre Rezension mit fünf Sternen eingestellt und - hier ist sie....

"Dieser Satz - Geschichte ist der Teppich auf dem wir uns bewegen - wird im aktuellen Fall von John Finch zur Realität für alle Protagonisten. Erst wird von der Studentin Annette Krüger eine Mumie gefunden. Dadurch bringt sie einen Stein ins Rollen, denn seit der Kolonialzeit sind viele Geheimdienste auf der Suche nach dem "Zerberus-Schlüssel". Nach und nach müssen unsere "Helden" die Puzzelstücke zusammenfügen und begeben sich damit auf Spurensuche durch Berlin, London, Wien, Murau und Rom bis sie schließlich in China landen

Auch die einzelnen Vorgeschichten sind von großer Bedeutung, wie etwa ein gefährlicher Flug nach Angola und die Mission der Komet im 2. Weltkrieg. Doch möchte ich hier nichts vorwegnehmen und somit die Spannung aufrecht erhalten.

Wie auch schon bei den letzten Bänden ist es Gerd Schilddorfer gelungen einen  spannenden Roman zu schreiben, der auch viele historische und aktuelle Fakten beherbergt, zu verfassen.

Für Freunde von Krimis und Dan Brown ist "Der Zerberus-Schlüssel" bestens geeignet. Daher gibt es von mir eine klare Leseempfehlung."

Mittwoch, 8. November 2017

John Finch und Co auf den Spuren der Vergangenheit...

... lautet der Titel der Rezension von Bellis-Perennis zum Zerberus-Schlüssel. Hier auch schon in der vollen Originalfassung:

'Wie wir es von Gerd Schilddorfer gewöhnt sind, packt er historische Figuren und Ereignisse gekonnt in eine fesselnde Story rund um Flieger-Ass John Finch und seine bewährten Mitstreiter. Co-Pilotin Amber Rains darf genauso wenig fehlen, wie Captain Sparrow, die „Terrible Twins“ und die Mitarbeiter diverser Geheimdienste.

Was verbindet die Fahrt der „Komet“, einem Hilfskreuzer der Deutschen Marine von 1940 mit dem blutigen Dolch, den Llewellyn Thomas, Agent des Britischen Geheimdienstes in Auszeit, in seinem schottischen Exil in der Gegenwart erhält?
Warum wird Rebus, der geniale Kunsträuber vom Mossad kontaktiert?
Warum jagen plötzlich mehrere Gruppen einen schmalen Reisebericht eines österreichischen Adeligen aus der Monarchie? Österreich-Ungarn hatte ja bis auf das „Franz-Josefs-Land“ keine wirklichen Kolonien.

Was hat die mumifizierte Leiche, die Annette Krüger in einem baufälligen Hochhaus in Berlin findet mit den Listen aus dem Stasi-Reißwolf zu tun?

Fragen über Fragen, die vom Autor in seiner unnachahmlichen Erzählkunst auf mehr als 800 Seiten beantwortet werden.
Es ist einfach eine Freude, diesen penibel recherchierten Thriller zu lesen, in dem auch der schwarze Humor des Autors immer wieder durchblitzt.

Schön ist, dass einige Figuren, die im Vorgänger (Nostradamus-Coup) ihren ersten Auftritt hatten, geblieben sind, um etwas Licht ins Dunkel der (fremden) Geheimdienste zu bringen.

Unsere wackern Helden von John Finch über Thomas Calis und Martina Trapp bis hin zu Kardinal Sanseverino mit seinen „Terrible Twins“ legen ein Puzzleteil zum anderen und …

Lest bitte, diesen vierten Teil der Reihe um John Finch und Amber Rains selbst. Nur zur Erinnerung die Vorgänger sind: „Falsch“, „Heiß“ und „Nostradamus-Coup“.

Fazit:

Ein perfektes Buch, um den Alltag zu vergessen und sich mit einem Glas Rotwein oder Whisky zurückzuziehen. 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung.'

Dienstag, 7. November 2017

John Finch in Aktion

Doreen_Klaus war zum ersten Mal dabei, als John Finch abhob und den Zerberus-Schlüssel suchte. Natürlich war es für sie schwieriger als Quereinsteigerin, aber wie es aussieht, war sie trotzdem begeistert... und gab dem Zerberus-Schlüssel fünf Sterne.
Hier Ihre Rezension, für die ich mich herzlich bedanke:

"Früher hatten es die Autoren von Agentengeschichten relativ einfach. Es gab die Guten und die Bösen, Schwarz und Weiß. Man wusste von Anfang an wer Wer ist und am Ende bekommen die Bösen immer ihre gerechte Strafe.
Heute, wo die Feindbilder durch die voranschreitende Globalisierung und den Zerfall ganzer Staaten nicht mehr ganz so klar definiert werden können, muss sich ein Autor schon ziemlich anstrengen, um
dem Leser eine plausible Geschichte zu verkaufen.

Im vorliegenden Fall vermischt der Autor gekonnt Altes mit Neuem. Historisch belegbare Ereignisse und Personen wecken das Interesse moderner Verbrecher und rufen so eine bunt zusammengewürfelte Gruppe aus Polizei, Abenteurern, Vertretern des Vatikan, ehemaligen Agenten und sogar eines Kunstdiebes auf den Plan. Diese Gruppe, die man bereits aus vergangenen Büchern kennen kann, löst ein Rätsel rund um ein Artefakt des ersten chinesischen Kaisers, ein im zweiten Weltkrieg verschwundenes und heute von den Triaden gesuchtes Schiff, und eine Gruppe vermisster Wissenschaftler deren Namen auf einer Liste auftauchen, die aus zerschredderten Stasiakten zusammengesetzt wurde.

Der Autor schafft es im Verlauf von über 800 Seiten gekonnt die verschiedenen Handlungsstränge miteinander zu verbinden und unsere Helden zusammenzuführen. Die Story ist ganz im Stil klassischer Agententhriller geschrieben. Das Buch erscheint eher maskulin vom Cover her. Die weiblichen Protagonisten im Buch sind emanzipierte Mitstreiter und keine schutzbedürftigen Schönheiten. Es gibt Explosionen und Schießereien ebenso wie Entführung und Mord, die Beschreibungen sind aber nicht blutrünstig oder übertrieben brutal, also auch für den weiblichen Leser interessant.

Gut recherchierter Thriller mit belegbaren Fakten ala Clive Cussler. Ich werde mit Sicherheit zum Wiederholungstäter."

Sonntag, 5. November 2017

I am from Austria - Der Zerberus Schlüssel

Walli007 konnte das Buch nicht aus der Hand legen, trotz aller Versuche, zwischendurch in den Abschnitten der Leserunde zu posten... Hier ihre Rezension, über die sich John und Llewellyn und alle anderen sicher sehr freuen....

"Die Studentin Annette Krüger begutachtet die Sicherheit eines alten Hauses in Berlin. Um auf Nummer Sicher zu gehen, betritt sie das alte Gemäuer und begeht die einzelnen Räume und Etagen. Im oberen Stockwerk prallt sie entsetzt zurück als eine Mumie vor ihr von der Decke baumelt. Offensichtlich wurde die Leiche jahrelang nicht entdeckt. Obwohl es unter diesen Umständen kaum noch möglich sein dürfte, den Fall zu lösen, wird Kommissar Thomas Calis zu dem Fundort gerufen. Eine relativ entspannte Sache, die er kurz vor dem Urlaub noch erledigen kann. Doch es kommt anders. Eine weitere Leiche wesentlich jüngeren Datums wird gefunden und die Dinge nehmen ihren Lauf.

Die Leichenfunde ereignen sich zur Zeit der ILA und wie es der Zufall will ist John Finch in Berlin, um mit dem neuesten Hubschraubermodell ein paar Vorführungsflüge zu unternehmen. Diese Gelegenheit konnten er und sein Papagei Captain Sparrow sich nicht entgehen lassen. Im fernen Schottland wird Major Llewellyn auf eine alte Spur angesetzt, die ihn auch nach Berlin führt. Und so liegt ein Treffen der älteren und jüngeren Haudegen natürlich nah.

Das alte China, Stasi, der Bereich Kommerzielle Koordinierung, Agenten und eine geheime Pazifikfahrt während des zweiten Weltkrieges - wie soll das alles zusammengehen? Wer John Finch und seine Freunde kennt, wird zuversichtlich sein, dass schon irgendwie hinhaut. Eine ausgeklügelte Mischung aus belegbaren Fakten und intelligent eingefügter Fiktion führt den Leser auf eine abenteuerliche Reise hauptsächlich durch Europa. Welches Deutung hat der Begriff Zerberus-Schlüssel? Wieso werden plötzlich Menschen umgebracht, die sich soweit bekannt nichts zu schulden kommen ließen? Haben verschiedene Dienste hier etwas ausgelöst, das sie nun nicht mehr einfangen können?

Ausgesprochen fesselnd fügen sie die Einzelteile der Geschichte nach und nach zusammen. Dieser packende Abenteuer-Thriller möchte am liebsten an einem Stück gelesen werden. Das Abtauchen in eine Welt der alten Rätsel und neuen Geheimnis kann so am besten genossen werden. Der einzige kleine Wermutstropfen, den diese Art des Lesens mit sich bringt: das Abenteuer ist viel zu schnell vorbei. Man wünscht, der Autor möge schnell einen Aufhänger für das nächste Abenteuer finden, in dem die lieb gewonnenen Akteure erneut zu Höchstform auflaufen."

Dienstag, 31. Oktober 2017

Ein teuflischer Fall - Lesegenuß mit hohem Suchtfaktor

Die Leserunde auf LovelyBooks ist zwar erst vor einer Woche so richtig gestartet, aber eine der Mitleserinnen, EJF, konnte den 'Zerberus-Schlüssel' nicht mehr aus der Hand legen...

Nun hat sie heute Ihre Rezension geschrieben und --- hier ist sie:

"Was haben eine geheimnisvolle Liste aus dem Reißwolf des untergehenden DDR-Regimes, ein verschwundener Reisebericht aus der österreichischen Kolonialzeit von 1874 und die Triaden mit einer Militärmission des Deutschen Reichs von 1940 zu tun ? Und was ist der plötzliche Auslöser für eine Mordserie, mit der es Thomas Calis von der Berliner Polizei zu tun bekommt ? Ganz zu schweigen von einem blutbefleckten Dolch, den Exagent Llewellyn Thomas plötzlich in Händen hält? Mitten drin ist wieder Flieger-Ass John Finch und Copilotin Amber Rains zu finden und auch zahlreiche weitere alte Bekannte aus den vergangenen 3 Bänden der Reihe ( 'Falsch', 'Heiss' und 'Der Nostradamus-Coup') geben sich ein Stelldichein. Und es wird äußerst spannend ...

Wieder einmal hat es Geschichtenerzähler Gerd Schilddorfer in seiner unnachahmlichen Art geschafft, mich so zu fesseln, dass ich für die reale Welt nicht mehr verfügbar war, bevor ich diese geniale Mischung aus Agententhriller, Abenteuergeschichten und Krimi ausgelesen hatte. Wie üblich sind historische Fakten in die Geschichten verwoben, die es tatsächlich gegeben hat. Und der hintergründige Humor des Autors lockert so manche blutige Ermittlungsszene etwas auf.
Klare Leseempfehlung ! Für Freunde gut recherchierter, spannender Abenteuerromane und Thriller ein Must-Have ! Aber Vorsicht: Suchtgefahr! Wegen eventuell auftauchender Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie den Klappentext oder fragen Sie Ihren Autor oder Buchhändler."

Und ich kann mich nur bedanken und hoffen, sie wird beim nächsten Start von John Finch wieder dabei sein.

Sonntag, 6. August 2017

Leseprobe 3 - Der Zerberus-Schlüssel



Mittwoch, 16. Juni 1971

Bar Chez Alice, Lucapa, im Tal des Luachimo/Angola


John Finch stieß die abgegriffene und schmutzstarrende Tür zu der windschiefen Baracke auf, nachdem er einen Blick auf das ziemlich hochtrabende Schild „Chez Alice“ geworfen hatte.
Oder besser gesagt auf das, was davon noch übrig war.
Das ‚z‘ war im Laufe der Jahre wohl von einem Sammler mitgenommen oder vom Wind verweht worden, ebenso wie das ‚ce‘ von Alice, was aus der Kneipe ein „Che Ali“ machte.
„Alice muss eine Verwandte von Che Guevara sein“, meinte John  zu Freddy Horneberg, seinem Copiloten, und kniff die Augen zusammen. Der Lärm, der ihnen entgegenschlug, war ohrenbetäubend, die Rauchschwaden im Inneren der Kaschemme gesundheitsgefährdend und Freddy musste prompt husten.
„Stell das Atmen ein“, riet der Holländer John, als er wieder sprechen konnte.
Wenn Alice jemals hier gewesen war, dann war sie seither entweder ausgewandert oder hatte sich stark verändert. Der bärtige, junge Mann mit den Rastalocken und dem Peace-T-Shirt, der hinter der Bar vergebens versuchte, Ordnung zu halten und die Zettel mit den Bestellungen seiner Gäste abzuarbeiten, konnte vielleicht noch Alices Sohn sein. Aber die beiden Typen, die mit grimmigem Gesicht Bierflaschen und Drinks an die Tische brachten und die leeren Gläser wieder einsammelten, hätten jeder halbwegs vernünftigen Alice nächtelange Albträume verschafft und sie schreiend das Weite suchen lassen.
„Alice lebt hier nicht mehr“, meinte Freddy, als hätte er die Gedanken Johns erraten. „Sie ist jetzt in einer geschlossenen Anstalt.“
„Da ist sie auch besser aufgehoben“, gab John trocken zurück und drängte sich durch Gruppen von diskutierenden und kampftrinkenden Männern in Jeans, T-Shirts und weiten Hemden in abenteuerlichen Farbkombinationen.
In einer Ecke brüllte ein Gettoblaster Brown sugar von den Rolling Stones ins Halbdunkel. Soweit John durch die Rauchschwaden sehen konnte, waren Freddy und er die beiden einzigen Weißen bei Alice.
„Tausend Jahre Gefängnis sehen dich an“, grinste Freddy. „Arlo Guthrie muss bei Alice‘s Restaurant auch eine andere Absteige vor Augen gehabt haben …“
„Der gute Hippie Arlo wäre hier nicht lebend rausgekommen“, stimmte ihm John zu und arbeitete sich drängend und schiebend bis zur Bar vor. Erstaunt sah der Rasta-Man die beiden Neuankömmlinge an, griff dann nach einem Joint und nahm einen tiefen Zug.
„Wenn du die rosa Ratten mit den blauen Punkten wieder verjagt hast, dann hätten wir gerne zwei Bier“, meldete Freddy die Getränke an. „In der Flasche, ich traue deinen Gläsern nicht.“
„Gläser … gibt’s … hier … nicht, gab’s noch nie“, stotterte der Junge und schüttelte die Locken.
„Nicht mal zu Alice’ Zeiten?“, wollte John wissen, doch Rasta-Man starrte ihn nur verständnislos an.
„Sie muss wohl schon länger weggezogen sein, die gute Alice“, warf Freddy ein, „oder Mister Unfrisiert hat sich sein Gehirn auch gleich mit durchgezogen. Nein!“ Er hielt den Jungen auf der anderen Seite der Bar davon ab, die Kronenkorken von den Flaschen springen zu lassen. „Nein, das mache ich lieber selbst. Holländische Hygienevorschrift für Expats.“
Damit nahm er ihm kurzerhand die beiden eiskalten Flaschen Mongozo–Bier aus der Hand und brachte sie in Sicherheit.
„Der bringt es fertig und treibt die Viren noch durch das Glas, so wie der aussieht“, brummte Freddy, drückte John ein Bier in die Hand und meinte: „Schau, trau niemandem hier.“
In diesem Moment trat einer der Schwerverbrecher, die hier als Kellner arbeiteten, zu Rasta-Locke und nickte in Richtung John und Freddy. „Probleme?“, knurrte er, aber der Junge schüttelte den Kopf. „Alles … alles k..k..klar.“
„Die kleine Kneipe am Ende der Straße hab ich mir immer heimeliger vorgestellt“, witzelte Freddy, nachdem er einen langen Blick über die Gäste der Kaschemme geworfen hatte. „Aber ich frage mich etwas ganz anderes …“
„Nämlich wo die bewaffneten Guerilleros geblieben sind?“, vollendete John den Satz. „Der Gedanke beschäftigt mich auch schon seit einiger Zeit. Gibt es hier ein Hinterzimmer? Wo man Karten spielt und die illegal geschürften Diamanten unbemerkt den Besitzer wechseln?“
Wie um die Frage zu beantworten, verschwand einer der Kellner nach kurzem Anklopfen mit einem Tablett voller Bierflaschen durch eine rot gestrichene Tür hinter der Bar.
„Entweder liegt dahinter das Büro von Alice und dann sollte sie aufhören, literweise Bier zu trinken, oder das Extrazimmer“, meinte Freddy. „Das mit den angetrunkenen Freiheitskämpfern. Brisante Kombination. Jetzt fehlen uns nur noch Schuhmann und unser Lohn, dann starten wir zurück in die Zivilisation. Und wer hätte gedacht, dass ich eines Tages das heiße, staubige, verwanzte und korrupte Kairo als zivilisiert bezeichnen würde?“
John beobachtete inzwischen verstohlen die etwa fünfzig Gäste der Kneipe. Er sah zwar keine Betrunkenen, aber auch keinen, der einen Softdrink in der Hand hielt. Dann flog die Tür auf und eine weitere Gruppe drängte herein, laut begrüßt von den Umstehenden.
„Die eine Hälfte wird von der Polizei gesucht und die andere ist aus dem lokalen Gefängnis ausgebrochen“, zog Freddy Bilanz. „Hat nur noch keiner bemerkt.“ Er gab dem Rasta-Man hinter der Bar das Zeichen, zwei weitere Flaschen Mongozo aus der Kühlung zu holen.
In diesem Moment wurde die Tür erneut aufgestoßen und Schuhmann betrat das Chez Alice, blickte sich rasch um, erkannte Finch und Hornemann an der Bar und drängte sich mühsam durch die Gruppen lautstark diskutierender Männer.
Freddy bestellte noch eine zusätzliche Flasche, während John Platz an der Theke für Schuhmann machte und gleichzeitig die rote Tür ins Hinterzimmer im Auge behielt.
„So richtig gemütlich hier“, begrüßte John den Deutschen. „Erinnert Sie das auch an Leipzig? Aber dort würde es wohl ‚Chez Clara‘ heißen, in Anlehnung an Clara Zetkin. Und vom Barkeeper bis zur Putzfrau wären alle Informanten der Stasi.“
„So eine Kaschemme wäre in Leipzig keinen Tag geöffnet, dann würde die Entlausungstruppe darüber herfallen“, erwiderte Schuhmann. „Aber wo viel Licht, da viel Schatten. Hier ist es unauffälliger, als am Flugzeug. Das beobachten die Guerilleros seit unserer Ankunft.“
„Das Hinterzimmer ist voll mit bewaffneten Freiheitskämpfern“, gab Freddy zu bedenken und wies auf die rote Tür.
„Die da pokern, saufen und sich mit ein paar Mädchen vergnügen“, meinte Schuhmann ruhig. „Wie an jedem Mittwoch. Und glauben Sie mir, da sind sie mir lieber, als im Hinterhalt im nächsten Wald.“ Er nahm einen langen Zug aus der Bierflasche. „Ah, das kann man ja fast trinken. Besser als dieses ägyptische Gebräu.“
Schuhmann griff in seine Tasche und legte einen kleinen Lederbeutel auf den Tisch. „Hier sind Ihre Diamanten, Mr. Finch. Inklusive einer Gefahrenzulage wegen des kurzfristigen Fluges und der provisorischen Piste.“
John warf einen Blick hinein und steckte den kleinen schwarzen Beutel dann zufrieden in seine Hosentasche. In diesem Moment flog die Tür des Hinterzimmers auf und drei Mann stürmten in den Gastraum.
„Das ist er!“, rief einer und zeigte auf Schuhmann, „ich habe selbst gesehen, wie er mit den Schürfern verhandelt hat!“ Die beiden anderen griffen sofort zu ihren Waffen. Mit einem Mal war es totenstill im Chez Alice.
Nur der Gettoblaster brummte die letzten Takte eines Reggea vor sich hin.
„Ist das wahr?“ Der Mann, der aus dem Zimmer kam und die anderen beiden zur Seite schob, war groß, breitschultrig, schwarz wie die Nacht und trug einen fleckigen Tarnanzug. In einer Hand hatte er seltsamerweise eine Reitgerte, die er in regelmäßigen Abständen auf seinen Schenkel schlug, während seine dunkelbraunen Augen über die Gäste irrten und schließlich auf den drei Weißen an der Bar hängen blieben.
„Unauffällig, ja?“, raunte John Schuhmann zu.
Freddy verdrehte die Augen. „Was für eine Scheiße!“, fluchte der Holländer.
„Welcher?“, erkundigte sich der Mann mit der Reitgerte nochmals, um sicherzugehen, und wieder zeigte der Finger auf Schuhmann.
Der große Schwarze, offenbar der Anführer der Freiheitskämpfer, schob sich an dem völlig erstarrten Rasta-Man vorbei und umrundete die Bar. Schließlich blieb er vor Schuhmann stehen, der mit einem Mal nicht mehr so selbstsicher aussah.
„Sie kaufen Diamanten? Ein gefährliches Geschäft in unsicheren Zeiten“, meinte der Guerilla und streckte die Hand aus. „Zeigen Sie mir, was Sie gekauft haben.“
Schuhmann zuckte mit den Schultern. „Ich bin im Auftrag meiner Regierung unterwegs. Und die Steine habe ich nicht mehr, sie waren als Bezahlung gedacht, für meine beiden Piloten.“ Er machte eine elegante Handbewegung in Richtung John.
„Ach“, Der Mann mit der Gerte sah John und Freddy mit neu erwachtem Interesse an, während John Finch den Ostdeutschen im Stillen verfluchte. „Dann kommen Sie doch mit ins Hinterzimmer, damit wir uns über einen angemessenen Anteil zur Befreiung Angolas einigen können. Sie haben ja auch unsere Landepiste benutzt …“
Damit schob er Freddy und John vor sich her in Richtung der roten Tür. John dachte fieberhaft nach, wie er die Bewaffneten loswerden konnte. Doch gerade, als er die Tür aufstoßen wollte, flog sie auf und einer der Söldner aus der De Havilland stand vor ihm, im Tarnanzug, mit geschwärztem Gesicht und bis an die Zähne bewaffnet. Sein Sturmgewehr zielte an John vorbei direkt auf den Kopf des Anführers der Freiheitskämpfer und der Lauf zitterte keinen Millimeter.
„Habe ich gerade Landepiste gehört?“, zischte der Mann mit dem kantigen Gesicht unfreundlich. „Diesen beschissenen Parkplatz am noch beschisseneren Arsch der Welt nennst du Piste? Wo hast du dein Pferd geparkt, Gertenschwinger? Es hat nämlich deinen Verstand mitgenommen.“
Er ruckte den Lauf des Sturmgewehrs nach oben.
„Hände hoch, wo ich sie sehen kann, sonst lass ich dich jede Bodenwelle deiner Landepiste eigenhändig ausbessern. Mr. Finch? Nehmen Sie Ihren Copiloten und verschwinden Sie zu Ihrem Flugzeug. Wir regeln das hier ein für alle Mal. Ich kann in den nächsten Tagen hier in Lucapa keine Störungen brauchen, weder von irgendwelchen marodierenden Freiheitsfuzzis, noch von schießwütigen eingeborenen Diamantensammlern. Nicht wahr?“
Der große Schwarze knurrte etwas zu seinen Leuten und ballte wütend die Fäuste.
Die Gäste des Chez Alice widmeten sich wieder ihren Drinks, der Lärmpegel stieg erneut und Jimmy Cliff röhrte sein Vietnam aus den Lautsprechern.
„Danke, ich schulde Ihnen etwas“, murmelte John im Vorübergehen. Die übrigen Söldner hielten die kleine Gruppe der Freiheitskämpfer im Extrazimmer in Schach, die mit einem Mal ziemlich nüchtern und eingeschüchtert aussahen. Drei verängstigte Frauen drängten sich um einen Tisch und hatten ihre Hände flach auf der zerkratzten Tischplatte liegen.
„Der Hinterausgang ist da drüben“, deutete einer der Söldner nach rechts und nickte John zu, während seine Maschinenpistole einen weiten Halbkreis beschrieb.
„Das war knapp“, schnaufte Freddy, als er neben John auf die De Havilland zulief. „Chez Alice wird nicht zu meiner Stammkneipe, kann mir eher gestohlen bleiben. Wenn ich die Typen hier niemals wiedersehe, dann ist das früh genug. Und dieser Schuhmann ist eine fiese, ostdeutsche Ratte.“
„In Afrika läuft man sich immer zwei Mal über den Weg“, entgegnete John bitter. „Mindestens. Und das nächste Mal kommt er nicht so billig davon.“
Als sie fast an der Maschine angelangt waren, löste sich eine Person aus dem Schatten des Fahrwerks. Es war Charles, der schmale, farblose Typ aus Schottland, der irgendwie bei Schuhmann und in diesem Flugzeug nach Angola gelandet war.
„Wollen Sie wieder weg hier?“, rief ihm Freddy entgegen. „Kann ich Ihnen nicht verdenken. Der nächste Flug aus der Depression geht in wenigen Minuten.“
Doch der Mann schüttelte nur den Kopf und so zuckte Freddy gleichmütig mit den Schultern und verschwand rasch im Cockpit, um mit den Startvorbereitungen zu beginnen.
Als John zu ihm trat, zog der Mann einen flachen Umschlag aus seinem Hemd, den er zusätzlich zum Schutz in Leder eingewickelt hatte.
„Ich möchte Sie bitten, das für mich nach Kairo zurück zu bringen und aufzubewahren. Es ist bei Ihnen in besseren Händen, als bei mir. Wer weiß, ob ich jemals aus Angola wieder zurückkomme.“
„Und was soll ich damit machen, wenn Sie es nicht mehr hier herausschaffen?“, wollte John wissen.
„Dann öffnen sie das Päckchen und lesen die Papiere“, meinte Charles leise und seine Augen blitzten. „Es sind wichtige Forschungsergebnisse, nennen sie den Umschlag meine Rückversicherung. Am Ende liegt es an Ihnen zu entscheiden, was Sie damit machen wollen.“
Der erste Propeller begann sich zu drehen , der erste Motor sprang an und John wollte keine wertvolle Zeit mit Diskussionen verlieren. Er steckte den Umschlag ein, nickte, schüttelte dem seltsamen Mann aus Schottland mit den Worten „Bis irgendwann!“ die Hand und kletterte in die De Havilland. Dann schloss er die Tür.
Wenige Minuten später hatten John und Freddy die viermotorige Maschine so nahe an den Waldrand manövriert, dass das Leitwerk bereits von den Baumstämmen eingerahmt wurde.
„Wir verschenken keinen Zentimeter“, stellte John fest. „Und jetzt Vollgas, Hebel nach vorn und ready for Take-off!“
Die De Havilland zitterte wie ein Rennpferd am Start, als die Motoren aufheulten, Freddy die Bremsen löste und die Maschine sich in Bewegung setzte. Alles erschien beiden Piloten wie in Zeitlupe, viel zu langsam – das Anrollen, die Beschleunigung, das Aufbrummen der Propeller, die Gasannahme der Motoren, das Vorüberziehen der Landschaft.
Dafür schien der Abgrund mit dem Fluss immer schneller näher zu kommen.
„Das wird knapp“, stellte Freddy mit einem skeptischen Gesichtsausdruck fest. „Ein passender Aufwind wäre jetzt ein wahrer Segen.“
„Oder ein Nachbrenner wie bei Düsenjets.“ Johns Hand lag locker auf dem Steuerrad der Passagiermaschine aus den fünfziger Jahren. „Wir warten bis zum letzten Moment, bis wir sie in die Luft bringen …“
„ …sonst fällt sie runter wie ein Stein“, nickte Freddy.
„Gute Idee, lassen wir sie fallen“, meinte John und beobachtete den Rand des Abgrunds, der rasch näher kam. „Wir gewinnen vielleicht dreißig Meter Höhe und ein wenig Geschwindigkeit.“
„Diesmal können wir jeden Knoten brauchen“, ergänzte Freddy und schätzte den verbleibenden Rest Piste.
Achtzig Meter vielleicht?
Zu wenig, viel zu wenig.
„Bei welcher Geschwindigkeit hebt diese lahme Ente ab?“, wollte er wissen.
„Wenn die Räder den Boden verlassen.“ John grinste. „Wir sind leichter und haben ein wenig Gegenwind. Drück einfach die Daumen.“
„Die sind schon ganz taub.“ Freddy lehnte sich zur Seite, um besser zu sehen. Dann zählte er herunter: „Noch zwanzig Meter, fünfzehn, zehn, take off!“
Die De Havilland rodelte über die Kante des Abgrunds wie eine schwerfällige gemästete Gans, nahm die Nase nach unten und als John das Höhenruder zog, drohte sie abzuschmieren. Also ließ er dem Flugzeug noch ein wenig Raum, spürte, wie es sich fing, wie die Luft zu tragen begann.
„John!“ Freddy zeigte auf die bedrohlich näher kommende Wasseroberfläche des Luachimo.
In diesem Moment legte John die De Havilland sanft auf die Seite, zog sie in eine Linkskurve. Der Luftwirbel an der linken Flügelspitze, die fast in die Wellen tauchte, ließ das braune Flusswasser aufspritzen.
Aber die alte Dame blieb in der Luft.
Behutsam fing John die Maschine ab, legte sie gerade und zog sie langsam höher, immer weiter aus dem Flusstal heraus.
„Pfff …!“, machte Freddy und schüttelte verwundert den Kopf, „Hut ab, das macht dir so schnell keiner nach. Ich muss noch viel lernen.“

Leseprobe 2 - Der Zerberus-Schlüssel



Donnerstag, 2. Juni 2016

Glenfinnan, Loch Shiel, Schottisches Hochland


Der breitschultrige, ältere Mann, der auf der frisch gestrichenen, langen weißen Bank an der Hauswand saß, an seinem Tee schnupperte und in die Morgensonne blinzelte, hatte militärisch kurz geschnittene weiß-graue Haare und ein kantiges Gesicht. Seine eisgrauen Augen schauten etwas skeptisch und verschlafen in den neuen Tag, der laut Wetterbericht sonnig und klar werden sollte. Noch lagen einige dünne Nebelschwaden über dem See wie ein dünner Schleier, der sich im Sonnenlicht auflösen würde.
Der Ausblick auf die dunkelblauen Wellen des Loch Shiel, auf die grünen, mit Heidekraut und Buschwerk bedeckten Berge, den hohen Himmel mit den schnell ziehenden Wolken und die damit verbundenen ständig wechselnden Lichtstimmungen, faszinierten den Mann stets aufs Neue.
Seit er vor wenigen Monaten in das kleine, niedrige Haus aus dunklen Granitsteinen in der Mitte von Nirgendwo gezogen war, hatte er sich hier noch keine Sekunde gelangweilt.
Obwohl hier ganz eindeutig das Ende der Welt war, wie er sich selbst jeden Abend eingestand, wenn er vor dem Schlafengehen einen letzten Blick auf das weite Tal warf. Dann löschte er das Licht, lauschte dem Wind, der vom Wasser herauf kam und der Geschichten und Legenden vom nahen Atlantik mitbrachte.
Glenfinnan war ein kleiner Ort, selbst für schottische Verhältnisse. Ein Dutzend Häuser, die sich zwischen Steinmauern und vom Wind gepeitschten Baumgruppen duckten und etwas planlos in der Wildnis des Schottischen Hochlands verstreut lagen. Doch allen war eines gemeinsam – der atemberaubende Blick auf Loch Shiel, dem achtundzwanzig Kilometer langen tiefblauen See, malerisch eingerahmt von grünen Bergen.
Hier kannte jeder der hundert Einwohner jeden - und das seit Generationen. Die Jugend der Gegend, eine Handvoll Halbwüchsiger, die gemeinsam aufgewachsen waren und in die gleiche, zwanzig Kilometer entfernte Schule gingen, traf sich regelmäßig vor dem Postamt, dem sozialen Hotspot Glenfinnans, das zugleich auch Tante-Emma-Laden und Nachrichtenbörse war.
Mehr städtisches Leben konnte man in Glenfinnan nicht erwarten, beim besten Willen nicht. Der Ort hatte zwar sogar eine Webseite am Internet, auf der jedoch unter der Rubrik Latest News & Events lakonisch „none found“ stand.
Und das seit Jahren unverändert.
Zwei kleine Bed & Breakfast, die sich etwas hochtrabend „Landhotels“ nannten, teilten sich die Zahl der Durchreisenden, die meist wegen der unverfälschten Natur und der wilden Landschaft in das schottische Hochland kamen. Ben Nevis, der höchste Berg Schottlands, lag nicht weit entfernt, und so zog der als einsam und menschenfeindlich bekannte Landstrich jedes Jahr ein paar stadtmüde Erholungssuchende mehr an.
Doch alles mit Maß und Ziel: Die Landesstraße A830, an der Glenfinnan lag, war im Norden eine Sackgasse. Dreißig Kilometer weiter, nachdem sie sich durch Orte wie Druimindarroch, Lochailort oder Portnaluchaig gewunden hatte, stürzte sie sich bei Mallaig erschöpft in den Atlantik.
Der Mann auf der Bank musste bei dem Gedanken grinsen und leerte genüsslich seinen Becher mit Orange Pekoe Tea. Das dunkelgraue Haus, an dessen Steinwand er saß, machte den Eindruck, als ziehe es sich das moosbedeckte Dach wie eine schützende Mütze über den Kopf. Das verfallene Anwesen, Slatach House, zu dem es früher gehört hatte, lag nur einen Steinwurf entfernt. Manchmal verirrte sich ein Wanderer hierher, angelockt durch die Ruinen des alten Herrenhauses, aus denen die Bäume und Sträucher wuchsen. Meist kamen aber nur Schafe vorbei, die wieder einmal durch ein Loch im Zaun entkommen waren, auf der Suche nach noch saftigeren Gräsern.
Das alles war Major Llewellyn Thomas, dem neu zugezogenen, nur Recht. Noch verspürte er nicht das geringste Heimweh nach seiner Wohnung im Herzen Londons, vermisste nicht eine Sekunde lang seinem ehemaligen Chef Peter Compton, den alten Fuchs mit seinen Geheimdienst-Intrigen, seinem weltweiten Netzwerk und seiner ständigen Sorge um das Britische Empire.
Ein Motor brummte auf der schmalen Zufahrtsstraße und riss Llewellyn aus seinen Gedanken. Er wandte seine Aufmerksamkeit dem kleinen gelben Bus zu, auf dem riesige rote Lettern für „Sexy Kilt Country Tours“ Werbung machten. Andrew, Fremdenführer, Busfahrer und Postbote in Personalunion, betrieb nebenbei ein kleines Ausflugsunternehmen für Touristen zu den nahegelegenen Whisky-Brennereien und den schönsten Aussichtspunkten auf der Stecke.
Was es allerdings mit dem Sexy Kilt auf sich hatte, das hatte Llewellyn in den vergangenen Wochen nicht herausfinden können. Andrew selbst trug meist Cordhosen und Pullover.
 Der junge Mann bremste den betagten Bedford-Bus genau vor Llewellyns Bank ab und die Türen öffneten sich mit einem etwas erschöpft klingenden Zischen.
„Guten Morgen, Major!“, winkte Andrew gut aufgelegt und sein roter Haarschopf leuchtete frisch gewaschen. „Bin heute etwas früher dran, aber ich muss gleich eine große Gruppe nach Loch Eil und zur Ben Nevis Destillery bringen.“
„Groß?“, erkundigte sich Llewellyn stirnrunzelnd.
Andrew zuckte mit den Schultern, während er in dem Postsack neben seinem Fahrersitz kramte. „Na ja, acht Leute“, murmelte er fast entschuldigend. „Aber sie wollen meinen Bus bis heute Abend mieten. Abendessen in Mallaig, dann nehmen sie die Fähre nach Armadale.“
„Whisky-Tours?“, stieß Llewellyn nach und Andrew nickte grinsend.
„Sind die besten Gäste“, stellte der Postbote fest und fuhr sich durch den Schwall roter Haare. „Kommen hierher, lassen Geld da, trinken gern und singen danach noch lieber. Harmlos und vor allem: Keiner beschwert sich am Ende der Tour.“ Er lachte fröhlich und zog zwei Poststücke aus dem grauen Sack, dann sprang er aus dem Bus. „Heute habe ich nur den Guardian und ein Päckchen für Sie.“ Andrew reichte Llewellyn die Zeitung und ein etwas abgewetzt aussehendes, längliches Paket. „Keine Unterschrift. Ich muss weiter!“, verkündete er hektisch und bestieg wieder seinen Bus.
„Moment!“
Die Stimme des Majors ließ Andrew zusammenzucken.
„Das ist nicht für mich.“ Llewellyn hielt das Päckchen hoch und sah Andrew forschend an. „Ich heiße noch immer nicht Charles R. Parker und ich kenne auch niemanden, der so heißt!“
„Aber die Adresse stimmt!“, gab Andrew fast trotzig zurück.
Der Major warf einen zweiten Blick auf das kleine Paket. Tatsächlich stand da seine Adresse in Glenfinnan … Slatach House … Aber Parker?
„Vielleicht ist dieser Charles Parker umgezogen?“, gab Llewellyn zu bedenken. „Du kennst doch alle hier. Klingelt’s nicht bei dem Namen?“
Andrew schüttelte energisch den Kopf. „Nie gehört. Ich dachte, vielleicht kennen Sie ihn. Müsste vielleicht meinen Vater fragen?“
Der Major runzelte die Stirn und betrachtete das Päckchen eingehender. Kein Absender, eine ganze Reihe von Briefmarken mit dem Porträt Elisabeths, mehrere verwischte Stempel. Es sah aus, als sei das Paket irgendwann nass geworden. Doch da, unter der letzten Reihe von Marken, war einer der Stempel noch klar und deutlich auf das Packpapier gedrückt.
„Andrew?“ Die Stimme Llewellyns verriet nichts Gutes und der junge Mann seufzte.
„Ich muss jetzt wirklich weiter, Major“, wandte er ein. „Meine Gäste warten.“
„Dieses Paket wurde bereits am 18. Juni 1969 in Hongkong aufgegeben“, meinte Llewellyn und setzte lakonisch hinzu: „Mir war nicht klar, dass die Königliche Post soo langsam ist.“
„Unmöglich“, murmelte Andrew erstaunt und stieg prompt wieder aus. „Das gibt es nicht …“
Der Major streckte ihm das Paket entgegen. „Sieh selbst. siebenundvierzig Jahre lang unterwegs von Hongkong nach Schottland, verschollen in den Untiefen der Postämter Ihrer Majestät.“
Andrew betrachtete die Stempel, drehte und wendete das Paket, kratzte sich ratlos am Kopf und zuckte schließlich die Schultern.
„Hiermit zugestellt an die richtige Adresse“, schloss er pragmatisch den Fall und zwinkerte Llewellyn zu, bevor er es ihm wieder in die Hand drückte. „Werfen Sie es weg, wenn Sie es nicht haben wollen. Charles Parker gibt es hier offenbar nicht mehr und wenn es ihn je gegeben hat, dann ist er bereits lange tot und wird das Päckchen nicht mehr vermissen. Und jetzt muss ich wirklich los. Bis morgen!“
Damit sprang Andrew in seinen Bedford, startete den Motor und wendete. Die Türen schlossen sich zischend und der gelbe Bus schaukelte durch die Buschreihen davon in Richtung A830.
„So kann man postalische Zustellungsprobleme natürlich auch lösen“, murmelte Llewellyn, während er nachdenklich auf das Päckchen aus der Vergangenheit blickte.
Charles R. Parker …
Für einen Moment überlegte der Major, das in braunes, fleckiges Packpapier eingeschlagene Paket unberührt zu lassen, es auf den niedrigen Speicher unterm Dach zu legen und dort einfach zu vergessen. Der Sommer war bisher überraschend warm gewesen und der geborene Waliser Llewellyn gedachte, auch weiterhin die kürzeste, aber auch schönste Jahreszeit Englands in aller Ruhe auf der weißen Bank vor seinem Haus zu genießen.
Diesen Sommer Jahr einmal ohne Stress, ohne Abenteuer, ohne Schießereien, dafür aber mit viel Whisky und Tee, Zeitschriften und Büchern.
Llewellyn, nach unzähligen Einsätzen für den britischen Geheimdienst MI5 und MI6 seit einigen Jahren im Unruhestand, wie er es nannte, hatte für das Empire immer wieder in der Krisengebieten der Welt die Kastanien aus dem Feuer geholt.
Und sich dabei oft genug die Finger verbrannt.
Nach den gefährlichen Einsätzen mit seinem Freund, dem Piloten John Finch in den vergangenen Jahren in Südamerika, Asien und Europa, plante der Major für diesen Sommer vor allem eines – die Füße hochzulegen und wenn möglich bis September keine Telefonate aus London anzunehmen.
Vor allem nicht von Peter Compton.
Neugierig wog Llewellyn das Päckchen in seiner Hand. Es war überraschend schwer.
Aus Hongkong?
Sicher eine Sammlung von lackierten Essstäbchen, dachte Llewellyn grinsend und betrachtete die Verschnürung genauer. Sie hatte die Odyssee von siebenundvierzig Jahren unbeschadet überstanden. Die Enden der Schnüre waren auf der Rückseite des Päckchens auf das Packpapier gesiegelt, mit rotem Siegellack. Der Major kippte das Päckchen im Sonnenlicht etwas. Waren das chinesische Buchstaben auf dem Siegel? Oder eine Krone und zwei gekreuzte Säbel?
Das Siegel jedenfalls war unversehrt.
Kurzentschlossen griff Llewellyn in seine Hosentasche und holte ein Messer heraus, klappte es auf und durchtrennte die Schnur. Unter dem Packpapier kam eine unscheinbare, braune Kartonschachtel zum Vorschein. Unbeschriftet, ohne jede Verzierung. Wer immer Charles Parker 1969 etwas nach Glenfinnan in die schottische Einsamkeit geschickt hatte, er hatte es nicht als Geschenk verpackt.
Der Deckel der Schachtel ließ sich nur schwer abziehen. Es war, als hielte jemand von innen dagegen, als wolle die Zeit ihr Geheimnis hüten und nicht preisgeben. Dann, mit einem Mal, löste sich der Deckel. Was immer der unbekannte Sender an Parker verschickt hatte, es war zusätzlich in einigen Seiten einer chinesischen Zeitung eingepackt worden, die inzwischen vergilbt waren. Vorsichtig schlug Llewellyn sie zurück. Zum Vorschein kam ein seltsam geformtes Messer mit kurzem Ebenholzgriff, das in einer aufwändig verzierten Lederscheide steckte. Der Major erkannte es sofort. Es war ein Khukuri, die traditionelle Waffe der Nepalesen, ein schwerer Dolch, der seit dem 15.Jahrhundert fast unverändert gefertigt wurde.
Vorsichtig zog Llewellyn das Messer aus der Scheide.
Die Klinge war fast zur Gänze mit einer rostbraunen Substanz bedeckt. Der Major sah näher hin, strich vorsichtig mit dem Finger drüber. Zuerst dachte er, es handle sich um Rost.
Doch das war es nicht.
Es war getrocknetes Blut.