Parden hat einen eigenen Literaturblog und ist Fan der John-Finch-Abenteuer, die sich - wie die meisten wissen - so über 600 bis 800 Seiten erstrecken. Als sie dann ein Buch in der Hand hielt, das 304 Seiten hat, war sie erstmal überrascht. Dann begann sie zu lesen -- und hier ist ihre Rezension:
Sind Sie sicher, dass die Fliege an der Wand tatsächlich ein
lebender Organismus ist? Oder eine Mini-Drohne, die Ihnen auf Schritt
und Tritt folgen kann, die Sie beobachtet und einen Strom von intimen
Bildern und persönlichen Informationen in eine Cloud schickt? Daten, die
Sie erpressbar machen, berechenbar, ausgeliefert all jenen, die darauf
Zugriff haben. Doch es kann noch schlimmer kommen ...
Eine feuchtfröhliche Party im Nobelvorort Grünwald bei München
endet in einem Horrorszenario – der Gastgeber, ein erfolgreicher
Unternehmer, wird an die Heizung gekettet, verstümmelt, ermordet und
angezündet. Michael Landorff, Journalist und Autor, der zu seiner
eigenen Überraschung auf der illustren Einladungsliste stand, beginnt
auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Dabei trifft er auf
Alexandra Buschmann, eine professionelle Pokerspielerin, die ebenfalls
eingeladen war, obwohl sie den Hausherrn nicht einmal kannte. Gemeinsam
machen sie sich auf den Weg, die Hintergründe des grausamen Todes zu
erforschen – und geraten dabei immer tiefer in ein Netz aus
Geheimdiensten, Wirtschaftsinteressen und politischem Kalkül. Schon bald
laufen sie um ihr Leben. Denn es geht um eine weltweite Bedrohung von
ungeahntem Ausmaß – das Tartarus-Projekt...
Noch vor der Lektüre habe ich nicht schlecht gestaunt. Ein Roman von
Gerd Schilddorfer - und dann gerade einmal etwas über 304 Seiten? Da bin
ich anderes gewöhnt: die Thriller um den Abenteurer und Piloten John
Finch haben 600 Seiten und mehr, und interessante und verzweigte
Geschichten erzählen kann der Autor.
Aber dieses neueste Werk von Gerd Schilddorfer hat eben nichts mit
John Finch zu tun - dies ist ein Stand-Alone, zumindest voraussichtlich.
Ich war sehr gespannt, ob ein Fabulierer wie dieser Autor sich wirklich
gelungen auf eine solch geringe Seitenzahl reduzieren kann. Gerd
Schilddorfer selbst bezeichnet diesen Thriller quasi als
'Kurzgeschichte'...
Im Mittelpunkt des Geschehens steht der Journalist und Autor Michael
Landorff, der zu Beginn der Erzählung ein wenig deprimiert und
resigniert wirkt, weil er derzeit beruflich wenig erfolgreich ist und
mit den Verlagen hadert. Zu seiner Überraschung wurde er zu der Party
eines schwerreichen Unternehmers eingeladen, den er nicht einmal kennt.
Aber das Catering ist hervorragend, die Spirituosen hochkarätig, was
will man mehr?
Mit dem Ende der Party hätte allerdings niemand gerechnet: der
Gastgeber wird brutal ermordet, die Hintergründe erscheinen mehr als
mysteriös. Landorff stößt auf einen weiteren Partygast, den der
Unternehmer ebenfalls unbekanntermaßen eigeladen hatte: Alexandra
Buschmann, eine professionelle Pokerspielerin. Beide versuchen
herauszufinden, was der Grund für ihre Einladung gewesen sein könnte.
Ahnte der Gastgeber, dass er ermordet werden würde?
Landorffs Spürsinn und Buschmanns analytischer Blick fördern nach und
nach einige unglaubliche Erkenntnisse ans Licht. Dabei erscheinen
manche Hintergründe wie aus einem Science-Fiction-Roman - sind es aber
nicht. Wenn man die gängigen Suchmaschinen bemüht, bekommt man
Erstaunliches zu lesen - und kann Angst bekommen. Was heute schon
Realität ist oder kurz davor scheint es zu werden - unfassbar.
Gerd Schilddorfer ist bekannt dafür, meist weniger bekannte
historische Gegebenheiten in spannende Abenteuerromane zu verweben.
Diesmal hält er sich an aktuelle Entwicklungen bzw. technische
Möglichkeiten, die drohen, den Menschen eines Tages überflüssig zu
machen. Das hat mir beim Lesen an der ein oder anderen Stelle reichlich
Unbehagen eingeflößt. Aber was hätte man hier schönreden können?
Ein wenig hat dies für mich das Lesevergnügen getrübt, das ich
ansonsten hatte. Denn nach einem behäbigen Einstieg - eine langweilige
Party der Münchner Schickeria und Highsnobiety halt - nimmt der Thriller
bald schon an Fahrt auf. Über mangelnde Action braucht man sich hier
jedenfalls nicht zu beklagen, Geheimdienste treten hier en masse auf,
und gefährliche Situationen gibt es an jeder Ecke.
Die kleinen Schwächen des Thrillers - die Ermittlungen reduzieren
sich für mein Empfinden zu sehr auf bloße Gespräche mit den
Geheimdiensten, die erstaunlich auskunftsfreudig sind, und das Verhalten
einzelner Charaktere erschließt sich nicht schlüssig, weil die
Hintergrundinformationen fehlen - schiebe ich tatsächlich auf die für
diese Geschichte schlussendlich doch geringe Seitenzahl des Buches.
Dadurch bedingt blieben letztlich auch einige Fragen offen, die ich gern
beantwortet gehabt hätte.
Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Alles in allem bietet der
Thriller spannende Lesestunden mit einem interessanten, wenn auch
beängstigendem Hintergrund.
Spannung, Action, Humor - eine unterhaltsame
Mischung, die mir gut gefallen hat. Danke dafür!