Mittwoch, 28. Oktober 2020

Tartarus ist das Ende der Freiheit

misswinniepooh ist auch nicht das erste Mal bei einer meiner Leserunden dabei. Sie ist ein treuer Fan von John Finch und hat auch das Tartarus Projekt mit viel Vergnügen gelesen, auch wenn die Runde der alten Haudegen hier nicht auftritt, sondern ihren Platz einigen jüngeren Protagonisten einräumt. Hier nun die Rezension von misswinniepooh, die als Titel einen Satz zitiert, den Anatoliy, Ex-Agent des KGB, als Charakterisierung des Tartarus Projekts verwendet - das Ende der Freiheit.

 

Der erfolgreiche millionenschwere Verkauf seiner Firma Prolicks nimmt Gregory Winter zum Anlass, die feine Münchner Gesellschaft zu einer Nobelparty einzuladen. Eingeladen ist auch der Journalist und Buchautor Michael Landorff, obwohl er den Hausherren nie persönlich begegnet ist.
Vor Ort lässt es sich Michael am Buffet gut gehen und trifft eine alte Bekannte Melissa, ihres Zeichens erfolgreiche Werbefachfrau mit eigener Agentur, die Michael und seinem neuen noch nicht geschriebenem Buch als Agentin unter die Arme greifen will.

Doch in ihr Meeting am Tag nach der Party platzt die Polizei mit der Mitteilung hinein, das Gregory Winter just in der Nacht gefoltert und brutal ermordet wurde.

Diese Nachricht wirft die sonst so coole und um keinen markigen Spruch verlegene Melissa ein wenig aus der Bahn, und auch Michael ist schockiert. Umso mehr beschäftigt ihn jetzt die Frage, warum ausgerechnet er, der Winter nicht kannte, zu dessen Party eingeladen wurde.
 

Um das herauszufinden und die Aufklärung des Mordes an Winter bietet genug Stoff für ein neues Buch und er bekommt von Melissa den offiziellen Auftrag, den Fall zu recherchieren.
Dabei stößt er auf die Profi-Pokerspielerin Alexandra Buschmann, die ebenso wie er Winter nie persönlich getroffen hatte und auch zur Party eingeladen war.
 

Doch zu welchem Zweck?

Erste Hinweise bekommt Michael ausgerechnet vom israelischen Geheimdienst Mossad. Winters Firma Prolicks hat Drohnen gebaut und verkauft und die Software dazu kam von der Firma AICT der Firma, die Alex Buschmanns Vater gehört.
 

Gemeinsam machen sich die beiden nun auf den Weg, die Hintergründe zu erforschen, nichts ahnend, dass sie nicht nur die Killer von Winter im Visier haben, sondern auch die Geheimdienste. Denn Winters Tod war nur der Anfang. Denn damit ist die Büchse der Pandora und das mörderische Spiel auf der Jagd nach dem letzten Puzzleteil des Tartarus Projekts geöffnet, für Michael und Alex wird es damit brandgefährlich.

Fazit:

Der Autor zieht den Leser ohne viel Umschweife in klarer Sprache und prägnanten Erzählstil, gespickt mit feinsinnigen schwarzem Humor in die Geschichte und damit in ein komplexes Szenario, in der brandaktuelles Thema behandelt, wird direkt hinein.

Prägnante und sympathische Figuren, dynamische Wendungen und einem Ende, bei dem keine Frage offenbleibt, garantieren spannende Lesestunden, bei denen man komplett die Zeit vergisst. 

Dienstag, 27. Oktober 2020

Rezension zu "Das Tartarus-Projekt" von Gerd Schilddorfer

Dorli war vom "Tartarus Projekt" begeistert und hat heute ihre Rezension an vielen Stellen im Internet veröffentlicht. Mich freuen die 5 Sterne ungemein, ich freu mich auch, dass sie wieder in der Leserunde dabei war und von dem neuen Thriller fasziniert war. Hier ihre Rezension:


München/Grünwald. Gregory Winter, erfolgreicher Unternehmer und Neu-Milliardär, hat zu einer Party in seine luxuriöse Villa geladen. Inmitten der hochkarätigen Gesellschaft befinden sich auch der aktuell wenig erfolgreiche Autor und Journalist Michael Landorff sowie die professionelle Pokerspielerin Alexandra Buschmann. Beide kennen den Gastgeber nicht und haben keine Ahnung, warum sie auf der Gästeliste stehen. Am Morgen nach der Feier wird Winter in seinem Arbeitszimmer tot aufgefunden – brutal ermordet. Landorff und Buschmann beginnen Nachforschungen anzustellen; sie recherchieren, stellen Fragen und suchen nach Hintergründen und Querverbindungen. Dabei geraten sie unversehens in die Welt der Geheimdienste und das Gerangel um Tartarus – einem geheimen Projekt, in dem es um die Entwicklung von KI-gesteuerten Kampfdrohnen geht…

Gerd Schilddorfer lässt diesen Thriller zunächst einmal in sehr ruhigen Bahnen verlaufen. Man bekommt unterhaltsame Einblicke in die Schickeria-Party und erlebt mit, wie Landorff von einer äußerst zielstrebigen Marketing-Agentin unter die Fittiche genommen und seine gewinnbringende Vermarktung als Autor geplant wird.

Mit Bekanntwerden der Ermordung Winters nimmt die Handlung dann Fahrt auf – die Geschichte wird Seite um Seite rasanter und spannender. Immer neue Ereignisse, Überraschungen und Wendungen halten das Geschehen lebendig und sorgen dafür, dass die Sogwirkung des Thrillers bis zum Schluss nicht abreißt.

Es gelingt Gerd Schilddorfer ganz ausgezeichnet, die Grenze zwischen dem realen Entwicklungsstand in puncto autonome Waffensysteme und Science-Fiction verschwimmen zu lassen, so dass man sich als Leser fragt, was heutzutage tatsächlich möglich ist. Es ist beängstigend, wie weit die militärische Roboterentwicklung bereits fortgeschritten ist und besonders die Vorstellung, dass diese Technologien terroristisch missbraucht werden könnten, kommt einer Horrorvision gleich.

„Das Tartarus-Projekt“ hat mir sehr gut gefallen – ein spannender Thriller, der mit einem hochbrisanten Thema und einer rasanten Handlung zu überzeugen weiß.

10 hoch minus 9

karatekadd liest Schilddorfer und vergleicht ihn mit Tom Clancy, was ich als Ehre empfinde...:=) Uwe liest schon seit Jahren Schilddorfer, hat einen regen literarischen blog und hat sich auch diesmal - kurz aber intensiv - mit dem (für meine Verhältnisse) kurzen Tartarus Projekt beschäftigt. Nachdem er bei Seite 304 eine Vollbremsung einlegen musste, hat er gestern nach Ermahnung von Parden seine Rezension geschrieben. Hier ist sie:

 

So klein und so gefährlich. Es wird noch eine Weile dauern, aber es kommt. Es kommt bestimmt. In Gestalt einer Drohne, die man nicht mehr wahrnehmen kann. Ob sie aber vom Office39 gesteuert wird?

Vor noch nicht zu langer Zeit hätte es utopisch geklungen, was uns Gerd Schilddorfer hier erzählt. Drohnen sind ja schon gegenwärtig, noch nicht ständig und überall zu sehen, aber doch vorhanden. Was wird passieren, wenn Künstliche Intelligenz dazu kommt? Wenn sich die Dinger selbst reproduzieren? In Größen von Zehn hoch Minus Neun, also im Nanobereich, wenn sich Nanobots, Naniten, selbst vermehren? Dann stehen wir nicht mehr am Eingang der Unterwelt, wo uns der Fährmann über den Styx rudert, den der ZERBERUS bewacht, dann sind wir an der tiefsten Stelle des Hades angelangt, da wo die verdammten Seelen hausen, im TARTARUS.

Als den Unternehmern Winter und Zahlmann Zweifel kommen, ist es fast schon zu spät. Können ein Journalist, eine professionelle Pokerspielerin und eine extravagante Verlegerin verhindern, dass TARTARUS zu unseren Lebzeiten Wirklichkeit wird? Zumindest der Journalist und die Pokerin, komplettiert durch einige Leute verschiedenster Geheimdienste, von denen die geneigte Leserin, der geneigte Leser nicht so schnell wissen, auf welcher Seite wer eigentlich steht.

Wenn so etwas in einem Buch vorkommt, dann könnte es sein, dass der Österreicher Gerd Schilddorfer nicht weit ist, und uns mit aktuellen Geschichten in einen Thriller eintauchen lässt, der diesmal aber etwas zu kurz geraten scheint. Verblüffender Weise geht er etwas langsam los. Die Geschwindigkeit wird erst erhöht, nachdem wir den Michael Landorff, diese Melanie ausgiebig kennenlernen konnten und nach dem Winter, der den Landdorff und die Pokerin auf eine Fete eingeladen hat, wobei er berücksichtigte... Doch halt. Gleich wird das ein Spoiler... Auf jedenfalls könnte ich für den Begriff Geschwindigkeit auch Beschleunigung nehmen, die nicht endet bis zum doppelepilogischen Bremsvorgang.

Einiges kam zu kurz: Die kleine Freundin, eine „verbummelte Studentin“, des Journalisten wird nicht so ganz ausgearbeitet. Einige Geheimdienstfiguren hätten auch ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient.

Eine amerikanische Drohnenpilotin, die aus der Gamerszene für die US-Luftwaffe rekrutiert wurde, weiß für ihr Alter und ihren vermuteten Dienstrang etwas zu viel, weshalb sie in einer Art Zeugenschutz steckt, das empfand ich als ein wenig überzogen. Vermutlich fällt es aber mal wieder nur spezifischen Berufen auf. Auf jedem Fall aber einem Clancy-Fan wie mir.

Wie gesagt, und ich bin nicht der Einzige, der dies meint, das Buch ist zu kurz um Schilddorfers Fabulierungsfaible voll zur Geltung kommen zu lassen. Aber es war wieder spannend und könnte Lust auf mehr machen, wobei wir hoffentlich nicht FALSCH liegen und es mal wieder HEISS wird um einen Typen namens Finch. Vielleicht überzeugen unsere Rezensionen den oder einen anderen Verlag davon, dass man diesem Wiener Autoren RAUM geben muss...

Irgendwie war TARTARUS fällig, denn zuletzt ging es um einen Schlüssel namens ZERBERUS und der schützt den Eingang zum oben erwähnten griechisch-antiken Totenreich. Nun waren wir fast schon über seine Schwelle gelangt...

Mach weiter, Gerd. Und ziehe nie in ein Haus mit der Nummer Neununddreißig.

 

Montag, 26. Oktober 2020

Toller Thriller

Vampir989 ist ein typischer Fall von "nomen non est omen". Sie ist kein Blutsauger, ganz im Gegenteil...:=) Sie liest bereits seit Jahren in den Leserunden mit und fiebert jedes Mal "dem neuen Schilddorfer" entgegen. So auch diesmal - und das Warten wurde belohnt. Hier ist ihre Rezension:

 

Klappentext:

Sind Sie sicher, dass die Fliege an der Wand tatsächlich ein lebender Organismus ist? Oder eine Mini-Drohne, die Ihnen auf Schritt und Tritt folgen kann, die Sie beobachtet und einen Strom von intimen Bildern und persönlichen Informationen in eine Cloud schickt?
Daten, die Sie erpressbar machen, berechenbar, ausgeliefert all jenen, die darauf Zugriff haben. Doch es kann noch schlimmer kommen ...
Eine feuchtfröhliche Party im Nobelvorort Grünwald bei München endet in einem Horrorszenario der Gastgeber, ein erfolgreicher Unternehmer, wird an die Heizung gekettet, verstümmelt, ermordet und angezündet. Michael Landorff, Journalist und Autor, der zu seiner eigenen Überraschung auf der illustren Einladungsliste stand, beginnt auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Dabei trifft er auf Alexandra Buschmann, eine professionelle Pokerspielerin, die ebenfalls eingeladen war, obwohl sie den Hausherrn nicht einmal kannte. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg, die Hintergründe des grausamen Todes zu erforschen und geraten dabei immer tiefer in ein Netz aus Geheimdiensten, Wirtschaftsinteressen und politischem Kalkül. Schon bald laufen sie um ihr Leben. Denn es geht um eine weltweite Bedrohung von ungeahntem Ausmaß das Tartarus-Projekt

Meine Meinung:

Ich habe schon einige Bücher von Gerd Schilddorfer gelesen und war immer total begeistert. Deshalb hatte ich auch große Erwartungen an diese Lektüre.Und ich muss sagen, dass ich nicht enttäuscht wurde. Wieder einmal hat mich der Autor völlig überzeugt.

Der Schreibstil ist leicht, locker und flüssig. Die Seiten flogen nur so dahin. Einmal angefangen mit lesen, wollte ich das Buch kaum noch aus den Händen legen.

Ich habe den Autor Michael Landorff und die Pokerspielerin Alexandra Buschmann kennen gelernt. Natürlich begleitete ich sie eine Weile bei den Nachforschungen zum Tode des Unternehmers Gregory Winter. Dabei erlebte ich viele interessante Momente.

Die Protagonisten wurden sehr gut beschrieben. Ich konnte sie mir klar und deutlich vorstellen. Es gab viele facettenreiche Charaktere, welche bestens ausgearbeitet wurden. Besonders sympatisch fand ich das Ermittlerteam und habe es gleich in mein Herz geschlossen. Aber auch alle anderen Personen waren interessant.

Gerd Schilddorfer hat einen sehr interessanten und spektakulären Thriller geschrieben. Er hat sich dabei mit vielen aktuellen und brisanten Themen beschäftigt und diese hervorragend in die Geschichte eingebaut. Dabei geht es um die Überwachung unseres Staates,künstliche Intelligenz,Drohnen und Geheimdienste.Auch durch die sehr guten Recherchen des Autors habe ich viele neue Informationen zu diesen Themen erhalten. Dies hat mir wahnsinnig gut gefallen.Die Handlung beginnt zunächst etwas seicht, gewinnt aber schnell an Fahrt. Es wurde sehr actionreich und abenteuerlich. Viele Szenen wurden sehr detailliert dargestellt und so war ich teilweise direkt im Geschehen dabei.Durch die sehr packende und fesselnde Erzählweise wurde ich förmlich in die Geschichte hinein gezogen. Es gab so viele atemberaubende und aufregende Ereignisse und ich durfte hautnah dabei sein.Auch durch die zahlreichen unvorhersehbaren Wendungen blieb es einfach immer total spannend.Zu keiner Zeit wurde mir langweilig.

Zudem hat der Gerd Schilddorfer auch den Humor nicht vergessen. Bei einigen Situationen konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Viel zu schnell war ich am Ende des Buches angekommen. Ich hätte noch ewig weiter lesen können. Auch der Abschluss war einfach genial.

Das Cover ist sehr gut gewählt. Es passt perfekt zu dieser Geschichte. Für mich rundet es das brillante Werk ab.

Wieder einmal hatte ich sehr lesenswerte Stunden mit dieser Lektüre und vergebe natürlich glatte 5 Sterne.

 

Sonntag, 25. Oktober 2020

Spannend, aber etwas zu kurz geraten...

 Parden hat einen eigenen Literaturblog und ist Fan der John-Finch-Abenteuer, die sich - wie die meisten wissen - so über 600 bis 800 Seiten erstrecken. Als sie dann ein Buch in der Hand hielt, das 304 Seiten hat, war sie erstmal überrascht. Dann begann sie zu lesen -- und hier ist ihre Rezension: 


Sind Sie sicher, dass die Fliege an der Wand tatsächlich ein lebender Organismus ist? Oder eine Mini-Drohne, die Ihnen auf Schritt und Tritt folgen kann, die Sie beobachtet und einen Strom von intimen Bildern und persönlichen Informationen in eine Cloud schickt? Daten, die Sie erpressbar machen, berechenbar, ausgeliefert all jenen, die darauf Zugriff haben. Doch es kann noch schlimmer kommen ...

Eine feuchtfröhliche Party im Nobelvorort Grünwald bei München endet in einem Horrorszenario – der Gastgeber, ein erfolgreicher Unternehmer, wird an die Heizung gekettet, verstümmelt, ermordet und angezündet. Michael Landorff, Journalist und Autor, der zu seiner eigenen Überraschung auf der illustren Einladungsliste stand, beginnt auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Dabei trifft er auf Alexandra Buschmann, eine professionelle Pokerspielerin, die ebenfalls eingeladen war, obwohl sie den Hausherrn nicht einmal kannte. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg, die Hintergründe des grausamen Todes zu erforschen – und geraten dabei immer tiefer in ein Netz aus Geheimdiensten, Wirtschaftsinteressen und politischem Kalkül. Schon bald laufen sie um ihr Leben. Denn es geht um eine weltweite Bedrohung von ungeahntem Ausmaß – das Tartarus-Projekt...

Noch vor der Lektüre habe ich nicht schlecht gestaunt. Ein Roman von Gerd Schilddorfer - und dann gerade einmal etwas über 304 Seiten? Da bin ich anderes gewöhnt: die Thriller um den Abenteurer und Piloten John Finch haben 600 Seiten und mehr, und interessante und verzweigte Geschichten erzählen kann der Autor.

Aber dieses neueste Werk von Gerd Schilddorfer hat eben nichts mit John Finch zu tun - dies ist ein Stand-Alone, zumindest voraussichtlich. Ich war sehr gespannt, ob ein Fabulierer wie dieser Autor sich wirklich gelungen auf eine solch geringe Seitenzahl reduzieren kann. Gerd Schilddorfer selbst bezeichnet diesen Thriller quasi als 'Kurzgeschichte'...

Im Mittelpunkt des Geschehens steht der Journalist und Autor Michael Landorff, der zu Beginn der Erzählung ein wenig deprimiert und resigniert wirkt, weil er derzeit beruflich wenig erfolgreich ist und mit den Verlagen hadert. Zu seiner Überraschung wurde er zu der Party eines schwerreichen Unternehmers eingeladen, den er nicht einmal kennt. Aber das Catering ist hervorragend, die Spirituosen hochkarätig, was will man mehr?

Mit dem Ende der Party hätte allerdings niemand gerechnet: der Gastgeber wird brutal ermordet, die Hintergründe erscheinen mehr als mysteriös. Landorff stößt auf einen weiteren Partygast, den der Unternehmer ebenfalls unbekanntermaßen eigeladen hatte: Alexandra Buschmann, eine professionelle Pokerspielerin. Beide versuchen herauszufinden, was der Grund für ihre Einladung gewesen sein könnte. Ahnte der Gastgeber, dass er ermordet werden würde?

Landorffs Spürsinn und Buschmanns analytischer Blick fördern nach und nach einige unglaubliche Erkenntnisse ans Licht. Dabei erscheinen manche Hintergründe wie aus einem Science-Fiction-Roman - sind es aber nicht. Wenn man die gängigen Suchmaschinen bemüht, bekommt man Erstaunliches zu lesen - und kann Angst bekommen. Was heute schon Realität ist oder kurz davor scheint es zu werden - unfassbar.

Gerd Schilddorfer ist bekannt dafür, meist weniger bekannte historische Gegebenheiten in spannende Abenteuerromane zu verweben. Diesmal hält er sich an aktuelle Entwicklungen bzw. technische Möglichkeiten, die drohen, den Menschen eines Tages überflüssig zu machen. Das hat mir beim Lesen an der ein oder anderen Stelle reichlich Unbehagen eingeflößt. Aber was hätte man hier schönreden können?

Ein wenig hat dies für mich das Lesevergnügen getrübt, das ich ansonsten hatte. Denn nach einem behäbigen Einstieg - eine langweilige Party der Münchner Schickeria und Highsnobiety halt - nimmt der Thriller bald schon an Fahrt auf. Über mangelnde Action braucht man sich hier jedenfalls nicht zu beklagen, Geheimdienste treten hier en masse auf, und gefährliche Situationen gibt es an jeder Ecke.

Die kleinen Schwächen des Thrillers - die Ermittlungen reduzieren sich für mein Empfinden zu sehr auf bloße Gespräche mit den Geheimdiensten, die erstaunlich auskunftsfreudig sind, und das Verhalten einzelner Charaktere erschließt sich nicht schlüssig, weil die Hintergrundinformationen fehlen - schiebe ich tatsächlich auf die für diese Geschichte schlussendlich doch geringe Seitenzahl des Buches. Dadurch bedingt blieben letztlich auch einige Fragen offen, die ich gern beantwortet gehabt hätte.

Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Alles in allem bietet der Thriller spannende Lesestunden mit einem interessanten, wenn auch beängstigendem Hintergrund. 

Spannung, Action, Humor - eine unterhaltsame Mischung, die mir gut gefallen hat. Danke dafür!

Donnerstag, 22. Oktober 2020

Das Tartarus Projekt - der Hölle entstiegen

Leseratz_8 ist zu einem fixen Bestandteil der Leserunden der vergangenen Jahre geworden. Sie war dabei auf der Jagd nach den Milliarden der alten Männer in "Falsch", nach dem Grab Alexanders des Großen in "Heiss", nach dem Schatz der Templer im "Nostradamus Coup" und nach einem Schiff voller Opium aus der kolonialen britischen Vergangenheit im "Zerberus Schlüssel". Diesmal wartete kein John Finch Abenteuer auf sie, sondern ein Thriller der etwas anderen Art.....


Ein neuer Schilddorfer ist erschienen, kürzer und anders. Üblicherweise schmeißt uns der Autor in die Geschichte und entlässt uns am Ende einer Achterbahnfahrt erschöpft und staunend. Hier beginnt alles ganz anders. Der Autor und Journalist Michael Landorff, der über seinen Ärger mit Verlagen und Agenten nachdenkt, trinkt sich die Party schön, denn er weiß nicht wie er überhaupt zu dieser Einladung gekommen ist. Zum Glück ist eine Freundin, Chefin einer Werbeagentur, auch da, sie rückt ihm den Kopf zurecht und erklärt sich zu seiner neuen Agentin... Lustig beschrieben, leicht zu lesen, entspannend und unterhaltsam. Doch nach den ersten 50 Seiten bleibt einem das Lachen im Hals stecken, denn jetzt ist der Gastgeber tot, grausam ermordet und es bleibt nicht bei dieser einen Leiche. Landorff beginnt mit eigenen Nachforschungen und stößt auf Unglaubliches. Und damit beginnt die Achterbahnfahrt für den Leser doch noch...

Hier liegt ein Buch vor, wie es aktueller nicht sein kann. Ganz nah an der Realität, kaum Exkurse in die Geschichte und je weiter man in der Geschichte voran kommt, um so realer wird die Bedrohung. Im Vergleich zu den anderen Büchern des Autors, sehr dicht und nur auf ein Thema fokussiert. Wie schon das Cover verdeutlichen soll - leider nicht so deutlich, wie ich es mir wünschen würde - geht es um Drohnen. Doch nicht um das Kinderspielzeug oder die Kamera-(Spanner)-drohne des Nachbarn, sondern um Drohnen für militärische und geheimdienstliche Zwecke.

Ich hatte das Glück, das Buch in einer Leserunde zu lesen und so durch den Autor mit zusätzlichen Informationen versorgt zu werden. Aber auch jeder andere Leser kann mit Recherchen im Netz die Aktualität prüfen. Und als während des Lesens in den Nachrichten die Information über bewaffnete Drohnen für die Bundeswehr und Drohnen für die Polizei in NRW verbreitet wurden...

Wie immer ist das Buch gut lesbar, sehr informativ und zum Nachdenken anregend. Schilddorfer erzählt und man ist gefesselt, will wissen, wie es weitergeht und plötzlich vergisst man die Zeit. Ich glaube, ein größeres Kompliment kann ich einem Autor nicht machen. Vielen Dank für die spannenden, informativen Stunden und bitte, bitte mehr davon.

Fazit: Ein Thriller wie er sein soll, ohne vordergründige Gewaltszenen und mit viel Informationen. Jedem Fan des Genres uneingeschränkt zu empfehlen.

Rasante Geschichte mit aktuellem Hintergrund

Gise ist das erste Mal bei einer meiner Leserunden dabei und für sie war daher alles neu - der Schreibstil, die Art, meine Geschichten zu erzählen, die "nichts ist so wie es scheint"-Momente. Aber - wie es aussieht - hat sie es nicht bereut, das Tartarus-Projekt gelesen zu haben und ich hoffe, sie ist bei der nächsten Leserunde wieder dabei. Hier ihre Rezension:


Nach einer feuchtfröhlichen Party wird der Gastgeber ermordet aufgefunden. Der Journalist und Autor Michael Landorff war selbst Gast bei dieser Party, auch wenn er den Gastgeber gar nicht kannte. Nun beginnt er zusammen mit der professionellen Pokerspielerin Alexandra Buschmann die Hintergründe zu der grausamen Tat zu ermitteln – und stößt dabei auf ein Dickicht aus Geheimdiensten, Wirtschaftsinteressen und politischem Kalkül. Dass sie dabei selbst in Gefahr geraten, ahnen die beiden zu dem Zeitpunkt noch gar nicht…

Ein langsamer Einstieg in die Geschichte lässt dem Leser erstmal die Gelegenheit, die Figuren der Geschichte sowie einen kleinen Teil der Hintergründe kennnenzulernen, danach aber gewinnt die Erzählung an Fahrt, bis sie kaum noch zu stoppen scheint. Der subtile Humor des Autors Gerd Schilddorfer wird dabei gut ergänzt von seinen akribischen Recherchen zum Thema Künstliche Intelligenz, der Leser wird gut ins Thema eingeführt (und dazu animiert, sich gerne über das Buch hinaus damit zu beschäftigen). Da stellt sich sowohl den Protagonisten wie auch dem Leser schnell die Frage, wem und was man hier trauen kann. Das Tartarus-Projekt, auf das die beiden Ermittler stoßen, ist brandgefährlich: für Alex und Michael wie für die gesamte Menschheit. Was am Anfang klar erschien, darf mehrmals neu überdacht werden, nichts ist so, wie es auf den ersten Blick erscheint. 

Der Showdown beantwortet nicht nur alle noch offenen Fragen, sondern birgt mehr Überraschungen als scheinbar auf die Seiten des Buches passen: ein passender Schluss für eine rasante Geschichte mit topaktuellem Hintergrund.

Für mich ist dieses Buch rundum gelungen und hat mich neugierig gemacht auf die weiteren Bücher des Autors. Deshalb empfehle ich es unbedingt weiter und vergebe alle 5 möglichen Sterne.