Sonntag, 6. August 2017

Leseprobe 1 - Der Zerberus-Schlüssel



3. August 2010, Carl-Storch-Straße, Stadtteil Aigen, Stadt Salzburg/Österreich

 
Das kleine, weiße Haus in dem verwilderten Garten mit der angebauten Garage sah verlassen und unbewohnt aus. Die Gitter vor den schmutzigen Fenstern, ihrer Form nach aus den fünfziger Jahren, waren rostig, der Verputz des bescheidenen Hauses grau und an manchen Stellen abgebröckelt. Aus dem Dach wuchsen Moose und eine kleine Birke, die in der Dachrinne siedelte, wiegte sich im leichten Wind.
Der Mann, der nachdenklich an dem niedrigen Gartentor lehnte und in den fast lilafarbenen Abendhimmel blickte, war schlank und durchtrainiert. Seine verwuselten, blonden Haare leuchteten im Licht der nahen Straßenlaterne. Alexander Reiter mochte Mitte vierzig sein, mittelgroß, mit grün-braunen Augen, die stets etwas belustigt in die Welt blickten. Er trug ausgebleichte Jeans und ein verwaschenes T-Shirt und sah mit seiner Umhängtasche aus wie ein spätberufener Student.
Doch Reiter war alles andere als das.
Nach einem letzten Blick auf das Haus, den völlig ungepflegten Garten, die grasbewachsenen Gehwege und das herabhängende Vordach sprang er über den niedrigen Zaun und war einen Augenblick später zwischen den dichten Büschen verschwunden.
Wie ein Schatten, der sich einfach in Nichts auflöste.
Niemand hatte ihn kommen gesehen, niemand würde ihn gehen sehen.
Die hölzerne Haustür begann bereits, sich in ihre Bestandteile aufzulösen. Die Bretter, eher schwarz als braun, wölbten sich und von der Messingleiste, die früher den unteren Teil der Tür schützte, waren nur mehr einige Metallfetzen übrig.
Reiter warf einen schnellen Blick in die beiden Mülltonnen, deren Deckel mit Blättern bedeckt waren. Leer. Er schnüffelte. Nichts zu riechen. Das Haus war bereits seit längerer Zeit verlassen.
Da alle Fenster vergittert waren, blieb ein einziger Weg - durch die marode Haustür. Reiter zog einen Dietrich aus der Tasche und das altersschwache Schloss hielt keine dreißig Sekunden stand, bevor die Tür quietschend in den trockenen Angeln nach innen schwang. Vorsichtig schob sich Reiter durch den Spalt ins Haus und drückte hinter sich die Tür wieder zu. Das war einfacher gegangen, als er es erwartet hatte.
Die dünne Taschenlampe, die er aus seiner Umhängtasche zog, verbreitete einen kalten Schein. Der scharf abgegrenzte Lichtkegel huschte über Wände mit fadenscheinigen Tapeten, Stühlen aus den siebziger Jahren, Spannteppiche in allen Stadien der Auflösung, einem Abreißkalender von 1981.
In jedem Raum schien sich Müll zu stapeln. Reiter stieg über Berge leerer Verpackungen, gefüllten Mülltüten, zerfledderten Kartons. Warum hatte sie niemand in die leeren Mülltonnen bei der Einfahrt entsorgt?
Chaos, dachte er, hier herrscht das totale Chaos.
Er stieß die nächste Tür auf und warf einen Blick in die Küche. An Essen kochen war hier nicht mehr zu denken. Reiter ließ den Strahl der Taschenlampe über die schmutzigen Schränke wandern, die mit Müll und Essensresten überfüllten Arbeitsplatten , die Ameisen bereits vor längerer Zeit für sich entdeckt und besetzt hatten.
Der Lichtkegel riss stapelweise Packungen mit Fertigknödeln aus dem Dunkel. Offenbar aß der Hausherr sie ungekocht aus der Tüte...
Als Reiter weiter ins Haus vordrang, bemerkte er, dass alle Fensterscheiben mit Zeitungsseiten beklebt worden waren, damit niemand einen Blick ins Haus werfen konnte.
Zum ersten Mal fragte sich Reiter, ob ihm sein Informant nicht einen Bären aufgebunden hatte.
Schimmel hatte den Rest besorgt. Aus dem Lehnsessel hatten Mäuse die Polsterung gerissen, der Stoff hing in Fetzen herunter. Ein alter Aschenbecher machte Werbung für das Österreich der späten sechziger Jahre.
Es war totenstill. Reiter schien es, als hielte das Haus den Atem an. Er konnte Wohnungen und Häuser lesen, wie andere Artikel in der Zeitung. Sie erzählten ihm ihre Geschichte, verrieten ihm, was er wissen wollte. Über die Bewohner, die Besucher, die Vergangenheit. Oft wie Komplizen, manchmal wie Diven. Aber sie sprachen stets zu ihm. Was ihm jedoch dieses Haus verriet, wollte er eigentlich gar nicht wissen.
Nach einem letzten Rundblick machte er sich auf den Weg nach oben, über den dünnen Läufer, der die Stufen bedeckte. Spinnweben hingen vor den Fenstern, verstaubte Gardinen vor den Zeitungen; alles verbreitete eine bedrückende Atmosphäre der Trostlosigkeit.
Am ersten Treppenabsatz war eine Decke über eine Kiste oder ein paar Schachteln gebreitet und Reiter ging in die Hocke, hob sie an und leuchtete mit seiner Lampe darunter.
Unter einer dünnen Schicht von Schimmel und Staub erkannte er lächelnd das Gemälde Montagne Sainte-Victoire von Paul Cézanne und wusste mit einem Mal, er war an der richtigen Stelle. Vorsichtig nahm er die Taschenlampe zwischen die Zähne und hob behutsam die Decke ab. Rund zwanzig Bilder lehnten an der Wand.
Monet, Pissaro, Renoir. Verstaubt, schmutzig, teilweise von schwerem Schimmelbefall gezeichnet.
Kopfschüttelnd deckte Reiter die Kostbarkeiten wieder zu. Dann stieg er weiter die Treppe hinauf, zog eine Liste aus seiner Tasche und überflog sie kurz. Als er die nächste Tür aufstieß, verschlug ihm der Anblick den Atem. Zwischen Müll und alten Zeitungen waren im gesamten Raum Stapel von Bildern verteilt, lehnten an den Wänden, lagen auf den Möbeln.
Hunderte Werke weltbekannter Maler zwischen leeren Schachteln von Fertigknödel …
Reiter erkannte Bilder von Max Liebermann, Edvard Munch, die Radierung Tête de femme von Picasso. Auf einer Anrichte stand eine Bronzeskulptur von Auguste Rodin. La Danaide, die Liegende  Frau auf dem Felsen. Als er einige der Mappen aufschlug, die auf einem Tisch lagen, erkannte er Aquarelle von Pablo Picasso, durch die sich bereits die Würmer gefressen hatten.
Reiter spürte, wie die Wut in ihm hochstieg. Gier und Dummheit machten ihn immer wieder zornig. Er klappte die Mappen wieder zu und ging ins nächste Zimmer. Erneut ein Raum voller Gemälde, Bilder überall. Selbst auf dem Bett waren sie gestapelt. Der Zustand der meisten war beklagenswert.
Es tat Reiter in der Seele weh.
Rasch zog er einen Fotoapparat aus seiner Umhängetasche und begann zu fotografieren. Die wenigen Bilder auf seiner Liste, insgesamt fünf, stellte er beiseite, als er sie nach und nach unter dem Abfall entdeckte.
Nach etwa zwei Stunden hatte er das Haus vom Dachboden bis zum Keller durchkämmt und alle Bilder erfaßt. Insgesamt zählte er 239 Meisterwerke plus der fünf, wegen denen er gekommen war. Schließlich zog er zwei dünne Riemen aus seiner Tasche, band die Bilder zusammen und schlug sie in eine Decke. Das Bündel war handlich und erstaunlich klein.
Aber millionenschwer.
Dann verließ Alexander Reiter das kleine weiße Haus im Stadtteil Aigen wieder und verschloss die Tür. Alles war ruhig, Garten und Straße lagen verlassen da. Es war dunkel geworden und die Straßenlaternen warfen ein gelbliches Licht auf den Asphalt. Das  noble Wohngebiet im Süden Salzburgs bereitete sich darauf vor, seine Bewohner ins Bett zu schicken.
Sein dunkler Mercedes-Bus stand in der nächsten Seitenstraße unter einem Baum. Reiter verstaute das Bündel im Laderaum und ließ sich auf den Fahrersitz fallen. Dann holte er ein Handy aus dem Handschuhfach, legte eine brandneue Prepaid-Karte ein und wählte eine Nummer in Tel Aviv, die er aus früheren Zeiten kannte. Als der Teilnehmer sich mit einem vorsichtigen „Hallo?“ meldete, begann Reiter zu sprechen.
„Mein Name tut nichts zur Sache, nennen Sie mich einfach Rebus. Hören Sie gut zu, ich werde Ihnen diese Geschichte nur einmal erzählen und nichts wiederholen. Stellen Sie keine Fragen, sonst lege ich sofort auf. In der Salzburger Carl-Storch-Straße in Österreich gibt es ein verlassenes, weißes Haus. Es gehört dem Sohn eines der bedeutendsten Kunsthändler des Dritten Reichs, Hildebrand Gurlitt. Der war damals einerseits damit beauftragt, die aus deutschen Museen beschlagnahmte sogenannte ‚Entartete Kunst‘ ins Ausland zu verkaufen, zum anderen war er nach Beginn des Zweiten Weltkriegs als einer der Haupteinkäufer für das Hitler-Museum  in Linz am nationalsozialistischen Kunstraub beteiligt. Vor allem in Frankreich. Doch zurück zu dem Haus in Salzburg. Da liegen mehr als zweihundert Meisterwerke unter anderem von Picasso, Renoir, Monet und Cézanne und verrotten. Ich denke, das sollte für eine fundierte Recherche des Instituts reichen. Und Ihre Kontakte zu den deutschen und österreichischen Behörden sind sicherlich von gegenseitigem Wohlwollen geprägt. Shalom.“
Damit legte er auf und nahm grinsend die Karte aus dem Handy, knickte sie in der Mitte und ließ sie in den nächsten Kanal fallen. Dann legte er das Mobiltelefon vor den linken Vorderreifen, startete den Bus und rollte darüber.
Wer mit dem Mossad telefonierte, konnte nicht vorsichtig genug sein.

*

Wenig später steuerte Reiter den Bus über die Tauernautobahn Richtung Süden, durch Tunnels und über Brücken und rollte zwei Stunden später nördlich an Villach vorbei, bevor er die Abzweigung in Richtung Tarvis und Udine nahm. Die ehemalige Grenzstation zu Italien war verwaist. Nicht einmal ein einsames Polizeifahrzeug parkte in einer der dunklen Zufahrten.
Im Radio sang Gianna Nannini Bello e impossibile und Reiter sang mit. Wenig später querte die Autobahn das erste Mal den Fluss und das breite, steinige Bett des Tagliamento oberhalb von Udine leuchtete im Mondlicht fast blendend weiß.
Die roten Digitalziffern der Uhr am Armaturenbrett sprangen auf 03 Uhr 55, als Reiter die Stadtgrenze von Triest überquerte und die abschüssige Straße zum Hafen hinunter rollte. Wenig später erreichte er die Piazza Giotti, wo sich die Umrisse der großen jüdischen Synagoge der Stadt gegen den Morgenhimmel abzeichneten. Triest, die alte österreichische Hafenstadt, schlief noch und die Straßen waren bis auf ein paar geschäftige Putzkolonnen der Stadtverwaltung menschenleer.
Reiter stieg aus und atmete tief durch. Die Luft war warm, roch nach Meer und Seetang, nach Schiffsreise und Urlaub im Süden. Er blickte die Fassade der Synagoge hoch, die ein wenig an eine Trutzburg mitten in der Stadt erinnerte. Bereits in der Mitte des 13.Jahrhunderts hatten sich Juden in Triest angesiedelt und sie waren gekommen, um zu bleiben. Geschützt von einem Toleranzpatent von Kaiser Joseph II. gründeten sie in Triest Versicherungen und Schifffahrtsgesellschaften, wie die Generali oder den Österreichischen Lloyd. Doch die Spuren der großen Familien aus Habsburger Zeiten waren lange verweht. Geblieben waren eine jüdische Gemeinde von rund sechshundert Menschen, die im Laufe der Jahrzehnte aus aller Herren Länder nach Triest gekommen waren, und eine prächtige Synagoge.
Vorsichtig löste Reiter die Riemen und zog einen kostbar gestalteten Rahmen heraus, der ein fein gezeichnetes, koloriertes Blatt enthielt. Es zeigte eine chinesisch wirkende Parkanlage mit einer Brücke über einen See und einem Pavillon mit Pagodendach im Hintergrund. Er legte es beiseite und verschnürte die übrigen Bilder erneut. Mit dem Bündel auf der Schulter überquerte er die Via Guido Zanetti und suchte nach einer ganz bestimmten Tür unter den Arkaden der Synagoge. Dann drückte er auf den Klingelknopf und wartete.
Sai che ore sono?” Der Hausmeister sah den frühen Gast verdattert an und tastete gleichzeitig nach seiner Brille in der Tasche seines Schlafrocks.
“Es tut mir leid, Sie geweckt zu haben, aber dies hier gehörte einmal der Familie Vivante. Ich bin mir sicher, Sie werden es an die richtigen Stellen weiterleiten.“ Damit lehnte er das Bündel an die offene Tür, drehte sich um und verschwand in der Dunkelheit, bevor der Hausmeister seine Brille aufgesetzt hatte.
„Signore! Aspetta … un momento …!“, hallte es über die Straße, doch Reiter lief bereits zu seinem Bus, startete den Motor und beschleunigte wenige Augenblicke später die Via Zanetti hinunter in Richtung Hafen.
„Und jetzt nach Antwerpen“, murmelte er lächelnd.

*

Das Telefonat, das Reiter mit dem israelischen Geheimdienst in jener Nacht führte, brachte die sogenannte „Affäre Gurlitt“ ins Rollen. Vier Wochen später wurde Cornelius Gurlitt im Zug von Zürich nach München von deutschen Zollfahndern kontrolliert. Er hatte neuntausend Euro bei sich und obwohl diese Summe unter die gesetzliche Zehntausend-Euro-Grenze fiel, ließen die Beamten aus bisher unbekannten Gründen nicht locker und leiteten Ermittlungen ein. Gurlitt, der als Heimatadresse München angab, war da jedoch weder gemeldet, noch hatte er eine deutsche Bankverbindung oder eine Sozialversicherung. Mehr als ein Jahr später wurde seine Kunstsammlung beschlagnahmt. Im November 2013 gab der ermittelnde Staatsanwalt an, dass die Bilder in München und Salzburg kein Zufallsfund gewesen seien. Man habe „im Zusammenhang mit den steuerstrafrechtlichen Ermittlungen gezielt gesucht.“
Doch das Telefongespräch hatte noch weitere Folgen. Der Mann in Tel Aviv hatte sich eine Notiz gemacht, in die Ecke einer Schreibtischunterlage. Sie bestand aus drei Worten: Rebus – Gemälde – Cobra.



"Falsch" und "Heiss" als Taschenbücher

Meine ersten beiden John-Finch-Thriller "Falsch" und "Heiss" werden im kommenden Jahr bei Bastei-Lübbe als Taschenbücher erscheinen. Sobald die Erscheinungsdaten vorliegen, werde ich euch auf dem Laufenden halten. Aber das Cover von "Falsch", das bereits fertiggestellt wurde, möchte ich euch nicht vorenthalten...:=) 

Rasantes Abenteuer mit Suchtfaktor

elisabethjulianefriederica, die ich elegant mit EJF abgekürzt habe, ist auch schon eine, die Johns Flugmanöver seit dem Beginn mitverfolgt. Hier nun ihre Rezension zum "Nostradamus-Coup" :

Mit seinem neuesten Flugzeug, einer DC 3 startet John Finch mit Copilotin Amber auf einem kleinen Flughafen in Nirgendwo in der libyschen Wüste als ungebetene Passagiere sich den Mitflug erzwingen. Der erste Kampf läßt nicht lange auf sich warten. Es bleibt John Finch ein geheimnisvolles Notizbuch mit verschlüsselten Texten... und wie bei John Finch nicht anders zu erwarten nimmt ein weiteres rasantes Abenteuer (das dritte nach den Büchern „Falsch'" und "Heiss") seinen Lauf.

Dem Leser wird einiges abverlangt, das gut recherchierte Buch bietet eine Reise durch die Geschichte und quer durch Europa. Ich bin mit Papier und Stift und Laptop dagesessen und habe vieles genauer nachgelesen. Einer der faszinierendsten Schauplätze ist das Kloster Admont in der Steiermark. In unnachahmlicher Weise versteht es Gerd Schilddorfer den Leser in spannenden Episoden in der Geschichte zu fesseln und nicht mehr loszulassen bis zum Ende. Ich habe das Buch an einem langen Lesewochenende geradezu verschlungen.

Mein 20jähriger Sohn hat es auch mit Spannung gelesen, wenngleich er manchmal durch die zahlreichen Fakten etwas erschlagen war – im Gegensatz zu ihm, war  gerade das mein Lesegenuss, mal wieder in typischer Schilddorfer-Manier quer durch die Geschichte gejagt zu werden!

Sehr zu empfehlendes Lesehighlight und ideales Geschenk für Abenteuerlustige, Flieger, Bogenschützen, Wissensdurstige, Österreich-Freunde, Dan Brown Fans, die mal was Neues brauchen, Bibliothekare, Freunde von dicken Wälzern ( das verstehe ich als Kompliment, mir können Bücher nicht dick genug sein), Fans von Krimireihen, die in ihrer Spannung nicht nachlassen, Humorvolle,Geschichtsinteressierte,Papageienfreunde, Schatzsucher, Junge Erwachsene (ich werde das Buch in der Verwandtschaft besonders den 20-25jährigen Jungs schenken, die sonst nicht freiwillig ein Buch in die Hand nehmen, bin mir sicher, die werden den Nostradamus-Coup nicht mehr aus der Hand legen). Mir fallen bestimmt noch mehr ein...

Absolute Leseempfehlung für alle Altersstufen, mein geschichtsinteressierter Vater, der aus Österreich stammt, mag das Buch bestimmt ebenso wie seine Technik- und Computerspiel-liebenden Enkel :)

Packender dritter Abenteuer-Thriller mit John Finch - Rezension von livres

Als John Finch zu einem einsam gelegenen Flughafen an der Grenze zu Libyen und Algerien reist, um dort seine neu erworbene DC-3 abzuholen, ahnt er noch nichts von dem Abenteuer, das nun auf ihn wartet: Zwei blinde Passagiere machen ihm und Amber über den Wolken das Leben schwer, jedoch kommt er dadurch auch unverhofft in den Besitz eines mysteriösen Notizbuchs mit verschlüsselten Texten und Bildern. Und damit startet eine neue Suche, die John und seine Freunde wieder in die verschiedensten Länder und zu den verschiedensten Herausforderungen führt. Denn nicht nur John und Llewellyn versuchen das Geheimnis des Büchleins und eines alten Gemäldes zu entschlüsseln, sondern es scheinen noch ganz andere Organisationen daran interessiert zu sein. Und die schrecken vor fast nichts zurück um an ihr Ziel zu gelangen!

Nach „Falsch“ und „Heiß“ ist „Der Nostradamus-Coup“ der 3. Teil der Reihe mit Pilot John Finch und seinen alten und auch neuen Freunden.
Es ist eine wahre Freude, die liebgewonnenen Charaktere wiederzutreffen!
Aber auch für Neulinge sollte dieses Band ein wahrer Abenteuer-Genuß sein und es werden zu Beginn einige Infos zu den Personen geliefert.
Gerd Schilddorfer überzeugt wieder mit einer wunderbar gelungenen Mischung aus Abenteuer, Spannung und Rätseln, gewürzt mit einer schönen Prise Humor.
Trotz der knapp 800 Seiten geht dabei die Spannung nie verloren, sondern man fiebert die ganze Zeit mit, was als nächstes geschehen wird.
Die Geschichte zieht weite Kreise, verschiedenste Gruppen und Epochen sind involviert, und es gibt einige Irrungen und Wirrungen, die den Leser wunderbar miträtseln lassen.
Man merkt dem Buch deutlich die fundierte Recherche des Autors an, durch die einiges Wissenswertes in das Buch einfließt. Dies ist jedoch nie langweilig oder langatmig, sondern immer unterhaltsam geschrieben.
Gerd Schilddorfer ist wieder ein komplexer, absolut fesselnder Abenteuer-Thriller gelungen, der den Leser packt und mitnimmt in verschiedene Länder und zu verschiedenen Zeiten!
Absolute Leseempfehlung!

John Finch fliegt wieder!

"Der Nostradamus-Coup" ist der dritte Teil der Reihe um den Piloten John Finch, und steht seinen Vorgänger Bänden in nichts nach. Ich konnte es kaum erwarten wieder einen neuen Schilddorfer und damit verbunden auch John Finch in den Händen zu halten und wurde nicht enttäuscht.

John Finch möchte in Libyen, auf einem Flugplatz inmitten der Wüste im Nirgendwo zusammen mit Amber Rains eine restaurierte DC-3 abholen. Der betagte Flieger in sehr gutem Zustand ist ein atemberaubender Fund, doch kurz nach dem Start bemerken sie, dass zwei blinde Passagiere mit an Bord sind mit Forderungen. John Finch gelingt es mit einem sehr gewagten Manöver die Kontrolle über den Flieger zu erlangen, doch Einer der beiden blinden Passagiere stirbt dabei. Der Tote hat ein Notizbuch bei sich, der Reiz des Abenteuers und der Versuch dieses Notizbuch zu entschlüsseln bringen John Finch und seine Freunde an viele verschiedene Orte in Europa und in grosse Gefahr, die ihnen von vielen verschiedenen Seiten droht. Viele Interessengruppen versuchen das Notizbuch in ihren Besitz zu bringen um das Geheimnis zu entschlüsseln, sie schrecken dabei vor nichts zurück.

800 Seiten Spannung und Lesegenuss, erst einmal angefangen, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. 

Ich habe " Der Nostradamus-Coup" bereits letzten November gelesen, allerdings war ich dann beschäftigt mit recherchieren, nochmals nachlesen und dann wieder die beiden Vorgängerbände zu lesen. Irgendwie konnte und wollte ich nicht loslassen. 

Der Schreibstil von Gerd Schilddorfer ist anspruchsvoll, einmal angefangen lassen sich seine Geschichten sehr flüssig lesen und auch 800 Seiten vergehen wie im Flug. Er beschreibt klar und deutlich, verleiht seinen Protagonisten Leben, die Schauplätze hat man deutlich vor Augen während man versucht dem Geheimnis auf der Spur zu bleiben.

Die Erzählweise besteht aus unterschiedlichen Perspektiven, die Zeitspanne reicht von der Vergangenheit, die Prologe der jeweiligen Kapitel, bis in die Gegenwart hinein. Geschichte und Fiktion werden perfekt miteinander verknüpft, die unterschiedlichen Handlungsstränge lösen sich am Ende alle geschickt auf.

Immer wieder erstaunt es mich wie genau Gerd Schilddorfer recherchiert, wieviel Wissen, Geschichte und Themen in seine Handlung eingearbeitet sind. Allerdings kann man seine Bücher nicht nebenbei lesen, sonst verliert man den Überblick bzw. den Faden.

Seine Protagonisten sind uns in diesem Teil teilweise schon sehr gut bekannt, es kommen aber auch Neue dazu, vorallem Rebus hat es mir sehr angetan.

Es hat wieder sehr viel Spass gemacht zusammen mit John Finch und seinen Freunden ein Abenteuer zu erleben, "Der Nostradamus-Coup" war mein Lesehighlight des Jahres 2016 und nun hoffe ich doch sehr bald wieder Neues vom betagten Piloten lesen zu können.

....aber natürlich doch, conneling, und du fliegst sicher wieder mit!!

Perfekter Mix aus Fiction und Realität -- Rezension von dorli

Ein verlassener Flughafen an der libysch-algerischen Grenze, eine alte DC-3, unerwartete Passagiere, ein mysteriöses Notizbuch, das chiffrierte Texte und ein Foto von einem Gemälde enthält – so beginnt für den Piloten und Weltenbummler John Finch sein neuestes Abenteuer und damit ein brutaler Wettlauf zu dem vermeintlichen Versteck des sagenumwobenen Schatzes der Tempelritter…

„Der Nostradamus-Coup“ ist ein äußerst gelungener Mix aus Fiktion und Realität; eine actionreiche Verfolgungsjagd kreuz und quer durch Europa; ein rasantes Abenteuer voller Spannung mit risikofreudigen Charakteren und lebhaften Dialogen. Dazu humorvolle Spitzen und immer wieder allerlei Wissenswertes über Schauplätze, Ereignisse und historische Begebenheiten aus Kunst und Kultur, Politik, Geografie, Geschichte und Religion.

Gerd Schilddorfer baut durch die Rätsel, die Verwicklungen und Verstrickungen und die hinterhältigen Machenschaften unterschiedlicher Gruppierungen und Geheimgesellschaften eine großartige Spannung auf. Man wird hineingezogen in einen Strudel aus vergangenen und aktuellen Geschehnissen und kann prima mit den Akteuren mitfiebern, wenn Stück für Stück die rätselhaften Hinweise aus dem Notizbuch entschlüsselt werden.

Die Vielfalt an unterschiedlichen Charakteren hat mir besonders gut gefallen. Sowohl fiktive Akteure wie auch reale Personen bevölkern diesen Thriller, alle werden lebhaft und facettereich dargestellt, haben Persönlichkeit und Ausstrahlung und zeigen Emotionen. Sie handeln entsprechend ihren Eigenarten, sind aber dennoch immer wieder für eine Überraschung gut. Es ist einfach spannend und unterhaltsam, das Miteinander und natürlich auch das Gegeneinander der Akteure mitzuerleben.

Trotz mehrerer Handlungsstränge, ständig wechselnder Handlungsorte, einer Vielzahl an Akteuren und der Fülle an informativen Details konnte ich der Geschichte von der ersten Seite an gut folgen, weil die gesamte Handlung bestens durchdacht und ausgeklügelt ist. Jede Szene wirkt lebendig, ist fesselnd und macht neugierig auf das weitere Geschehen.

„Der Nostradamus-Coup“ hat mich durchweg begeistert. Der lebhafte Schreibstil sowie die schwungvolle Handlung und die ausdrucksstarken Figuren bieten ein großartiges Lesevergnügen und lassen diesen Thriller zu einem echten Highlight werden.

Filmreif!

ENDLICH!
...kann man den dritten Band um den Abenteurer John Finch lesen, der trotz seines fortgeschrittenen Alters einfach nicht sesshaft werden will. Hier ergreift er gleich die Gelegenheit beim Schopf, als ihm zu Ohren kommt, dass eine Douglas DC-3 zum Verkauf steht, der legendäre Rosinenbomber, ein Flugzeug, mit dem mit die West-Alliierten seinerzeit die Blockade Berlins durch die Sowjetunion durchbrachen. John Finch ist begeistert, denn als passionierter Pilot für alle Lebenslagen fliegt er am liebsten Oldtimer. Dass er das Flugzeug von einem verlassenen Flughafen in der libyschen Wüste abholen muss, stört Finch nicht weiter, denn schließlich ist er ja ein Weltenbummler - und da seine langjährige Kollegin Amber mit von der Partie ist, sollte das alles auch gar kein Problem sein. Dumm nur, dass die beiden nach dem Start feststellen müssen, dass sich blinde Passagiere an Bord geschlichten haben. Und keine harmlosen, wie nur zu bald klar wird. Uuuuund schon geht die Achterbahnfahrt los, und Finch stürzt unversehens wieder in ein neues Abenteuer - ein geheimnisvolles Notizbuch wird zum Gegenstand der Jagd quer durch Europa.


"Es sieht so aus, als hättet ihr mit euren Recherchen in Rom etwas ausgelöst, als hätten alle nur auf einen Startschuss gewartet, um aktiv zu werden, und ihr habt ihn abgefeuert." (S. 218)


Alte Bekannte wie Major Llewwelyn, der ehemalige britische Geheimdienstchef Peter Compton oder auch Sparrow, der Papagei, sind natürlich wieder mit von der Parie, doch wer schon einmal ein Buch von Gerd Schilddorfer gelesen hat, der weiß: es erwarten einen eine Vielzahl an Handlungssträngen, Zeitebenen, historischen und gegenwärtigen Ereignissen, Organisationen, Orte und Personen, dazu ein paar mysteriöse Stichworte wie 'Nostradamus' oder 'Templer'. Dabei kocht jedes Grüppchen sein eigenes Süppchen - und keiner weiß, welches Spiel der andere wirklich spielt. Ich gebe zu, zu Beginn der Lektüre leichte Anzeichen von Verwirrung verspürt zu haben, die ich mit Hilfe von Notizblock und Bleistift zu sortieren versuchte. Doch irgendwann warf ich einfach alles hin und vertraute auf die Geschichte. Denn alles, was anfangs scheinbar vollkommen zusammenhanglos erscheint, wird letztlich logisch zusammengeführt. Darauf kann man sich bei Gerd Schilddorfer verlassen.


"Wenn Nostradamus gewusst hätte, was er in Händen hielt, dann hätte er es niemals veröffentlicht. Ganz im Gegenteil."

Dabei macht es der Autor dem Leser nicht leicht. 9 Prologe, 10 Kapitel und 3 Epiloge hat die Geschichte, ständig werden die Erzählebenen gewechselt, und vieles löst sich tatsächlich erst ganz am Schluss auf. Über lange Strecken halten die Fragezeichen vor, wie diese ganzen Puzzlesteine überhaupt zueinander passen können. Doch die gesamte Struktur des Romans ist einfach genial konstruiert, so dass letztlich kaum eine Frage offen bleibt. Spannung und Wissenswertes halten sich hier wieder die Waage - denn wie immer nutzt Gerd Schilddorfer reale historische und örtliche Gegebenheiten und schreibt seine Geschichte 'einfach' drumherum. Das macht das ganze letztlich so authentisch und verführt nebenher dazu, zu manchen Hintergründen auch im Internet weiter zu recherchieren. Dümmer wird man bei der Lektüre jedenfalls nicht! Und auch der Humor kommt hier nicht zu kurz - manche Szenen sind hier echt zum Schießen...


"Stellen Sie sich ein Schachbrett voller Hinweise vor. Die richtigen Sprünge mit dem Reiter bringen Sie weiter, die falschen führen in die Sackgasse und unweigerlich zum Schachmatt." (S. 285)


Für mich war dieses Abenteuer wieder einmal filmreif. Bildhafte Schilderungen, ein flüssiger Schreibstil und fiese Cliffhanger locken dazu, immer weiter zu lesen. Dabei ist keine der 800 Seiten des Thrillers überflüssig - bis hin zu den Epilogen ist jede Zeile wichtig, um letztlich alles zu verstehen. Und auch wenn ich mit solchen 'dicken Schinken' gewöhnlich so meine Probleme habe - hier herrschte am Ende das Gefühl vor: oooh, schon vorbei.

Doch im Herbst 2017 soll schon Band vier um John Finch herauskommen, und eines ist gewiss: ich bin wieder mit dabei!

Parden, du bist wieder dabei und ich freu mich ungemein auf die Runde, die vor uns liegt. Beim Zerberus-Schlüssel!